Der Wow!-Effekt eines Textes: die bildhafte Sprache

Krokusse zu bildhafte Sprache

So, jetzt habe ich mich hier an meinem Schreibtisch unterm Dach niedergelassen, um für Sie, meine lieben Leser, ein immer wieder bei mir nachgefragtes Thema aufzugreifen: die bildhafte Sprache. Übrigens trinke ich gerade meinen Kaffee. – Wie?! Dieser Satz löst kein sinnliches Erleben bei Ihnen aus? Wie wäre es dann damit?

​Gerade schlürfe ich meinen Kaffee.

Sehen Sie? JETZT haben Sie die Vorstellung von einem Kaffee, der heiß ist, vielleicht dampft, Sie hören das Schlürfgeräusch. Der allgemeine Oberbegriff trinken dagegen löst kein Bild in Ihnen aus,  er lässt sie kalt. Tja, so geht es auch Ihren Lesern, wenn Sie allgemeine Begriffe statt konkreter Ausdrücke benutzen.

Bildhaft zu schreiben heißt immer: Weg mit dem blassen Oberbegriff, her mit dem konkreten, farbigen Ausdruck!

Worauf Sie noch achten müssen, um eine bildhafte Sprache zu entwickeln und ​die Aufmerksamkeit des Lesers zu ​gewinnen? Das zeige ich Ihnen nun in diesem Beitrag.

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1. Bildhafte Sprache – das Verb

Den Kaffee schlürfen, dazu einen Keks ... nee, nicht essen: knuspern. Solche Verben lösen einen sinnlichen Reiz beim Leser aus. Und das ist das höchste Ziel, das Sie als Schreiber erreichen können! Nehmen wir noch ein Beispiel:

Der junge Möchte-gern-Star spazierte langsam am Schaufenster vorbei, prüfte sein Spiegelbild und ging dann ins Szene-Café.

Haben Sie hier ein bewegtes Bild vor Augen, spüren Sie Spannung? Nein? Tja, das liegt an den faden, unkonkreten Verben. Gerade für das Verb gehen gibt es eine unglaubliche Vielzahl von anschaulicheren Alternativen. Würde ich hier mit ein paar Beispielen anfangen, wäre das so, als ob ich einem Kleinkind eine Schale Gummibärchen unter die Nase hielte, um sie gleich wieder wegzunehmen. Auch spazieren können wir noch genauer fassen und so einen ganz konkreten Bewegungsablauf vor das Auge des Lesers zaubern:

Der junge Möchte-gern-Star stöckelte langsam am Schaufenster vorbei, prüfte sein Spiegelbild und stolzierte dann ins Szene-Café.

Achten Sie so oft wie möglich auf das genaue, anschauliche Verb! Lassen Sie den Leser sehen und spüren. Das gilt für JEDEN Text!

2. Bildhafte Sprache – das Substantiv

Sicherlich schreiben Sie Platane statt Baum und Flachdachbungalow statt Haus. 🙂 Aber wie ist es bei Begriffen, die uns täglich die Ohren und das Hirn verstopfen? Da müssen wir schon aufpassen, nicht in Versuchung zu geraten. Doch denken Sie immer an den Leser. Meiden Sie deshalb modische, aber nichtssagende Begriffe wie Mehrwert, Kompetenz, Innovation. Erzählen Sie dem Leser durch konkrete und anschauliche Formulierungen, worin der Mehrwert, die Innovation oder die Eigenschaft innovativ genau bestehen. Denn DAS will er wissen.

​Unsere Lösungen bringen Mehrwert für Ihre Unternehmenskommunikation.

Der potentielle Kunde gääähnt – und klickt weg.​

Unsere Ideen geben Ihrem Unternehmenstext Stil und einen Rhythmus, der wie eine Fuge von Bach in den Ohren des Kunden klingt.

Hier horcht der Leser auf, assoziiert vielleicht dynamische Orgelklänge oder Streichermusik.

​Füllen Sie abstrakte Begriffe mit Leben!

So allerdings wird keine Aktivität im Gehirn des Lesers ausgelöst:

Unsere Auftragskapazität ist leider erschöpft.

Bei diesem auch noch schwer auszusprechenden Wort entsteht nicht einmal der Umriss eines Bildes. So ​dagegen füllt sich der Umriss in Geistesblitzgeschwindigkeit mit bunten Farben:

Schon morgens ist bei uns die Hölle los. Die Kollegen arbeiten kaffeetrunken zehn Stunden am Tag, manche leisten schon Samstagsarbeit. Deswegen können wir leider keine Aufträge mehr annehmen.

​Meiden Sie abstrakte Begriffe und Wortblasen! Denn wenn keine Bilder im Kopf des Lesers entstehen, bleibt auch ​sein Gedächtnis leer, der Text rauscht nur so hindurch. Ein solcher Satz, wie ich ihn neulich las, ist ​Pulver im Wind:

​Er berücksichtigte in der Thematik seiner Rede am Warschauer Denkmal mehrere Aspekte, die von den meisten Regierungsvertretern kritisch gesehen wurden.

Geschwafel der Stärke 10+ auf der Textrichter-Skala! Weg mit Thematik (wenn, dann sowieso Thema), weg mit Aspekte, weg mit dem nichtssagenden kritisch, denn Kritik gibt es positive wie negative. Wenn hier noch etwas zu retten ist, dann beginnt man vielleicht so:

​Er sprach in seiner Rede am Warschauer Denkmal folgende Punkte an: … Der/die/das … verurteilten die … 

Durch eine bildhafte Sprache und das Vermeiden von Wortblasen steigt die Chance gewaltig, die Aufmerksamkeit des Lesers zu ​bekommen und ihn letztlich ​zum Kunden gewinnen.

​Sie möchten dynamisch, anschaulich und kraftvoll schreiben? Sie wollen mit Ihrem Text Aufmerksamkeit und Sympathien gewinnen? ​Den Leser begeistern und neue Kunden gewinnen? Und Sie fragen sich, wie genau das ​geht? Dann schauen Sie hier hinein:
Bildhafte Sprache = kraftvolle Texte!  

3. Bildhafte Sprache – die Crème de la Crème: Metapher und Vergleich

Mit Sprachbildern, auch Stilfiguren genannt, können Sie erst recht Bilder beim Leser hervorrufen und ihn vielleicht sogar zum Schmunzeln bringen. Die am häufigsten gebrauchten Stilfiguren sind die Metapher und der Vergleich; sie prägen vor allem Redensarten. Aber Achtung! Eine tausendmal gelesene Stilfigur oder Redensart nutzt Ihnen gar nichts, darüber liest jeder hinweg. Oder lässt Sie die Spitze des Eisbergs noch dahinschmelzen? Sind Sie farbenfroh gestimmt, wenn Ihnen jemand grünes Licht gibt? Eben. Diese Redensarten sind mittlerweile fällig für den Floskel-Friedhof. Wenn schon eine Redensart, dann wandeln Sie eine populäre Wendung ab. Das gibt dem Leser einen echten Stromstoß. Hier das Beispiel einer Marketing-Agentur:

Wir haben manchmal auch verrückte Ideen, aber stets alle Tassen im Schrank.

Nur frische, originelle Sprachbilder lassen Ihren Text pulsieren und sind echte Leser-Aufwecker.

Die Stimme des Sängers klang rau und heiser.

Hm, ok. Gelesen – und vergessen. Und hier?

Die Stimme des Sängers hörte sich an wie in Whisky und Nikotin mariniert.

Bei diesem Vergleich hat jeder Leser sein eigenes Bild vor Augen, eine Kneipen-Szene wird vielleicht sogar lebendig – super, so soll es sein!

Abgegriffene Bilder sind das Dosenfutter der Schriftsprache. Versorgen Sie Ihren Leser stattdessen mit frischem Sprachbilder-Grün. So bekommt er garantiert Appetit auf mehr!

Fazit

Ja, ich weiß, der allgemeine Ausdruck ist bequem und schnell zur Hand. Aber: Wenn Sie sich Leser- und Kundeninteresse erhoffen – das „wenn“ kann ich natürlich weglassen – , dann benutzen Sie Formulierungen, die konkret und anschaulich sind. Das gilt für JEDEN Text. Nutzen Sie die Kraft der bildhaften Sprache! Dann ist Ihr Text für den Leser wie ein Glas guten Rotweins an einem trüben Herbstabend. 🙂 

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Über den Autor Dr. Gabriele Frings

Als Schreibcoach, Dozentin und Autorin helfe ich Ihnen, einen professionellen Schreibstil zu entwickeln und so in Beruf und Business voranzukommen.

  • Regina Maier sagt:

    Der frühe Vogel hat heute morgen im XING einen schönen Wurm gefunden. Klasse, was Sie hier über das Schreiben schreiben.

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