Mit diesen 3 Stilfiguren von 10 auf 1000 Leser – Teil 2: die Metapher

Taube zu Metapher rhetorische Stilmittel

Eingestreute Stilfiguren machen Ihren Text sexy! Warum? Weil beim Leser durch die Bilder im Kopf die Sinne wie Sehen, Hören, Riechen und Schmecken aktiviert werden. Und ein sinnlicher Kick – darauf fährt der Leser am meisten ab!

Nach der Stilfigur des Vergleichs in Teil 1 erzähle ich Ihnen heute einiges über die unglaublich variationsreiche Stilfigur der Metapher. Denn: Eine gute Metapher ist für den Leser eine Wohlfühloase in der Textwüste!

1. Was ist eine Metapher?

Die Metapher ist von allen Stilfiguren das am häufigsten gebrauchte Bildmuster. Metapher kommt vom griechischen Verb metapherein = hinübertragen und meint „Bedeutungsübertragung“: ein Begriff wird außerhalb seines üblichen Gebrauchs verwendet und auf einen fremden Zusammenhang übertragen. Wenn Sie meinen:

Mein letzter Text ist doch Schnee von gestern.

Dann haben Sie mit dieser Redewendung bereits eine Metapher gebraucht. Alter Schnee ist nicht mehr frisch, grau, alt. Und diese Eigenschaft wird hier auf das Wort Text übertragen.

Bei der Metapher fließen also Aussehen, Funktion oder Eigenschaften zweier verschiedener Dinge ineinander.

2. Wie bilde ich eine Metapher?

Eine Metapher ist eine besondere Form des Vergleichs, sie kommt aber ohne „wie“ und „als“ aus.

1. Die Mini-Metapher

Sie ist eine Kombination aus zwei Wörtern. Meistens sind es zwei Substantive wie z. B. bei Besucherstrom, Datenautobahn oder Geldwäscherei. Stimmt's? Diese Wörter nehmen Sie längst nicht mehr als besondere Bilder wahr. Sie gehen im Lesefluss unter. Denn sie zählen zu den Alltagsbildern. Von den sogenannten verblassten Metaphern wie Augapfel oder Brötchengeber ganz zu schweigen.

Ein Vorteil der kurzen Metapher ist, dass sie äußerst einprägsam ist. Deshalb wird sie oft auch in Politik und Werbung genutzt. Denken Sie etwa an die aktuelle Flüchtlingswelle. Hier wird bewusst auf Assoziationen beim Leser gesetzt.

2. Die Maxi-Metapher

Statt aus zwei Substantiven eins zu machen, können wir ein Substantiv auch mit einem Genitivattribut versehen:

Nun erntete sie die Früchte ihrer jahrelangen Arbeit.

oder:

Sie errichteten eine Mauer des Schweigens.

Hier werden die Substantive Früchte und Mauer außerhalb ihres üblichen Kontextes gebraucht.

Um eine Metapher zu bilden, können Sie auch ein Substantiv mit einem Verb aus einem anderen Bedeutungsbereich kombinieren:

Die Entscheidung wurde von allen begrüßt.

Natürlich stehen nicht alle auf und rufen: Hallo, Entscheidung. Hier ist es das Verb, das in einen fremden Zusammenhang übertragen wird.

Ein Beispiel aus der Werbung für einen Schokoriegel:

Du bist der Farbenklecks in meinem Grau-in-Grau.
Du bist das Hänschenklein in meinem Kinderlied ...

Auch hier haben wir ein Verb und verschiedene Substantive. Merken Sie's? Ob Sie wollen oder nicht: Beim Lesen entstehen automatisch Bilder und Assoziationen, Sie werden regelrecht in eine Welt hineingezogen. Das ist das Faszinierende an Sprachbildern! Wir werden auf verschiedenen sinnlichen Wahrnehmungskanälen angesprochen. Und werden so auch beeinflusst.​

3. Worauf muss ich für eine gut funktionierende Metapher achten?

Ich hole jetzt nochmal den Trichter hervor, sorry, es muss sein: Mit einer alltäglichen Metapher werden Sie NIEMALS den Leser ​gewinnen! Die meisten der Beispiele, die ich bisher genannt habe, sind solche allzu bekannten und ​abgedroschenen Metaphern. Das heißt nicht, dass Sie sie nicht benutzen dürfen. Aber: Wenn Sie Ihre Leser aufwecken, kitzeln, emotional berühren wollen, dann müssen Sie frische, überraschende, möglichst selbstgemachte Bilder benutzen.

Vor einiger Zeit fragte ich mich, wie kann ich dem Leser die bedrückende Atmosphäre von Smog nahebringen? Ich überlegte: Welche Eigenschaften hat der Nebel? Was nehme ich wahr? Was fühle ich? Und so schrieb ich in einem Gedicht in der Literaturzeitschrift Konzepte 14/2015:

Dunstgespenster fraßen jedes Krähenwort

Die Frage, welche Eigenschaften hat die Sache, die ich ausdrücken will, ist eine enorme Hilfe beim Ideen sammeln. Probieren Sie es aus!

Machen wir noch ein Beispiel. Sie schreiben in Ihrem Blog zum Thema Unternehmenskommunikation und sitzen vor dem Satz:

Stellen Sie sich vor, der Vorgesetzte benutzt Ihnen gegenüber einen scharfen Ton.

„Scharfer Ton“ ist zwar eine Metapher, aber konventionell. Jeder liest drüber hinweg. Sie wollen ausdrücken, dass der Ton unangenehm ist. Jetzt fragen Sie sich: Welche Eigenschaften hat so ein Ton? Wie kann ich das auf die sinnliche Ebene übertragen, so dass der Leser etwas fühlt? Zum Beispiel so:

Stellen Sie sich vor, der Ton des Vorgesetzten Ihnen gegenüber ist eine ​Drahtbürste, die in Ihrem Gehörgang herumkratzt.

Dieses Bild wird der Leser so schnell nicht vergessen, das garantiere ich Ihnen!

4. Neue Farbe für die ergraute Metapher

Was Sie auch machen können, um dem Leser einen kleinen Stromstoß zu versetzen, ist, bekannte Metaphern erfrischend abzuwandeln. Das funktioniert besonders gut bei Redewendungen. So können Sie beispielsweise mit der Wendung jemand hat nicht mehr alle Tassen im Schrank spielen, wenn es um die Charakterisierung einer Person geht:

Er hat sich zwar sehr merkwürdig benommen, aber die Tassen in seinem Schrank sind alle noch vollzählig.

Genau wie eigene Bilder zu finden erfordert auch das Abwandeln von alten Wendungen ein wenig Gehirneinsatz, aber: Es lohnt sich! ​

Fazit:

Wir Menschen denken in Bildern. Nutzen Sie deshalb die bildhafte, metaphorische Sprache für Ihre Texte! Denn Sie wollen den Leser ja wachrütteln und mitreißen. Am besten schon zu Beginn eines Textes. Und am besten mit überraschenden, ungewöhnlichen Bildern. Wie einfach das geht, haben Sie oben gesehen.
Wie Sie zu einer Sammlung inspirierender Metaphern kommen? Lesen Sie viel! Fällt Ihnen ein gutes Sprachbild auf – notieren oder ablichten. So haben Sie bald eine schöne Grundlage für eigene Sprachbilder! Also – nur Mut und viel Spaß beim Ideen sammeln!

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Über den Autor Dr. Gabriele Frings

Als Schreibcoach, Dozentin und Autorin helfe ich Ihnen, einen professionellen Schreibstil zu entwickeln und so in Beruf und Business voranzukommen.

  • Opisthocomus sagt:

    Ein super Artikel bzw. eine super Artikelserie, die ich gern gelesen habe!

    Die Tipps sind sehr hilfreich und die Beispiele prima. Gerade bei Metaphern und Vergleichen kann man viel falsch machen.
    Man sollte immer zuerst überlegen, was man als Autor mit dem Stilmittel herüberbringen will. Eine Begebenheit kann auf völlig unterschiedliche Weise dargestellt werden.

    z.B.

    Ihr Lachen klang wie zersplitterndes Glas. vs. Ihr Lachen klang wie helles Glockenläuten.

    Je nach Situation passt das eine besser, dann wieder das Andere.

    Viele Grüße

    Julián

    • Dr. Gabriele Frings sagt:

      Hallo Julian,
      vielen Dank für Ihren Kommentar und das schöne Metapher-Beispiel. Ja, Sie haben recht. Mit einer Metapher können wir auch die Sichtweise des Lesers lenken, ihn beeinflussen. Beispiel: „Der Konzern greift schon seit längerem nach dem kleinen Unternehmen.“ Hier hat der Autor eine ganz andere Intention als bei dieser eher neutralen Aussage: „Der Konzern versucht seit längerem, das kleine Unternehmen zu übernehmen.“
      Viele Grüße
      Dr. Gabriele Frings

  • Walter Braun sagt:

    Genau das Richtige, liebe Frau Frings: nach der heißen Sylvesternacht, dem verkaterten Neujahr nun die erfrischende Metapher zur Belebung der Sinne – so kann das neue Jahr weitergehen.

    Danke und viele Grüße aus der Südpfalz, dem Vorhof zum Paradies.
    Ihr
    Walter Braun

    • Dr. Gabriele Frings sagt:

      Hallo Herr Braun,
      vielen Dank für Ihre Wertschätzung! Ja, das ist doch mal ein lohnenswertes Ziel fürs neue Jahr: einen Text mit Sprachbildern so belebend und erfrischend gestalten, dass er den Leser selbst in einem Katerzustand noch wachrüttelt. 🙂
      Viele Grüße in die Südpfalz
      Dr. Gabriele Frings

  • […] Blogartikel. In einer dreiteiligen Beitragsserie habe ich mich mit den drei Stilfiguren Vergleich, Metapher und Personifikation ausführlich befasst und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für eigene, […]

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