Anführungszeichen sinnvoll setzen – und der Leser fühlt sich wohl

anführungszeichen

In diesem „spannenden“ Beitrag lesen Sie, wie sie „zuverlässig“ verhindern, dass Ihr Leser und Kunde eine „Anführungszeichen-Halluzination“ hat. – Sie stutzen, Ihnen schwindelt? Hallo, kommen Sie wieder zu sich!
Sie sehen dann: Nicht jedes Wort, das wir betonen wollen, gehört in Anführungszeichen gesetzt. Für die Betonung haben wir heute dank der Textverarbeitungsprogramme andere Möglichkeiten wie Kursivsetzung, Fettung oder die Kapitale.

Dennoch werden die vier Häkchen von vielen Textern allzu großzügig benutzt. Und der Leser – sie merkten es gerade – fühlt sich wie in einem Bienenschwarm und im schlimmsten Fall an der Nase herumgeführt. Wie IHR Leser und Kunde sich dagegen sauwohl fühlt statt vergackeiert – das zeige ich Ihnen nun. 

1. Anführungszeichen – bei wörtlicher Rede und Zitaten

Diese Regel kennen auch Sie sicher noch. Hier einige Beispiele:

1) „Wenn Sie das gelesen haben, kennen Sie die Verwendungsmöglichkeiten der Anführungszeichen“, schrieb sie.

2) Zu seinem Lebensmotto wurde Wittgensteins Ausspruch „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen“.

3) Zitiert er gerade Bölls "Wo warst du, Adam?"?

Achtung beim Schlusspunkt: Vor dem Komma und dem Punkt wird der Schlusspunkt des wörtlich wiedergegebenen Satzes weggelassen (Satz 1, 2). Andere Satzzeichen wie Ausrufe- oder Fragezeichen bleiben bestehen (Satz 3).

2. Anführungszeichen – ​für Namen und Bezeichnungen

Wenn wir über ein Wort oder eine Wortgruppe eine Aussage machen, dann setzen wir sie in Anführungszeichen: 

Früher nannten wir die Anführungszeichen „Gänsefüßchen“. 

Das Wort „röntgen“ leitet sich von dem berühmten Physiker Conrad Röntgen her.

Das gleiche gilt für Namen von Musikstücken, Kunstwerken, Zeitschriften, Zeitungen, Produkten, für Titel von Büchern, Filmen, Fernsehsendungen und generell für Namen, die im alltäglichen Leben auch eine andere Bedeutung haben können: 

Im „Spiegel“ war zu lesen, dass die Prominenz gebannt Bachs „Fuge” gelauscht hatte.

Der neue Regisseur hatte eine bildgewaltige „Odyssee"-Performance inszeniert.

Und mit Goethes „Faust“ ist nicht die geballte Hand des Dichterfürsten gemeint. 😉

3. Anführungszeichen – für Ironie und Distanz

Mit den vier kleinen Strichen können wir auch signalisieren: Achtung, hier ist Ironie im Spiel! 

Sie hatte „nur” die Silbermedaille gewonnen.

Und diesem Chef sollten Sie morgens vielleicht aus dem Weg gehen:

Schon am frühen Morgen verbreitete er mal wieder seine „gute Laune".

Nicht immer aber will der Schreiber mit den Anführungszeichen ein Augenzwinkern signalisieren, sondern eben nur eine Wortgruppe hervorheben. Im schlimmsten Fall kommt das jedoch beim Leser so nicht an. Wenn Sie so etwas in einem Restaurant lesen:

Bei uns bekommen Sie „frischen Fisch".

Dann sollten Sie vorsichtshalber lieber etwas anderes bestellen.​

Sie sehen, das gedankenlose Setzen von Häkchen kann zu Missverständnissen oder gar zu verärgerten Reaktionen beim Leser führen.

Noch einmal: Generell benutzen wir Anführungsstriche, wenn etwas nicht in seiner wörtlichen Bedeutung gemeint ist. Und das sogar in der gesprochenen Sprache! Wer von uns hat nicht schon einmal beim Sprechen mit den Zeige- und Mittelfingern vier Häkchen in die Luft gezeichnet, um dem Gegenüber klarzumachen: Das meine ich natürlich nicht wörtlich.
Das ist übrigens der einzige mir bekannte Fall, wo ein Satzzeichen als Hilfsmittel ins Mündliche rutscht. Denn es ist ja umgekehrt: Die sieben Satzzeichen sind Hilfen, um die Spontaneität der Rede wenigstens annähernd ins Schriftliche zu übertragen.
Ein letztes: Auch wenn wir ausdrücken wollen, dass wir uns von einem Begriff distanzieren, benutzen wir die Anführungszeichen:

Solch eine „Säuberungsaktion" soll nun regelmäßig im Bahnhofsviertel stattfinden.​

Damit sind die stilistisch einwandfreien Anwendungsmöglichkeiten der Anführungszeichen auch schon erschöpft. Im Folgenden noch eine häufig anzutreffende Stil-ist-mir-piepegal-Praxis.

4. Anführungszeichen – bitte nicht so!

Eine Abonnentin schickte mir diesen Beispielsatz:

E-Commerce-Frameworks gelten durch ihren großen „Trumpf“, die gezielte Individualisierung, als zukunftsweisende Shopsystemlösung.

Es scheint mir, dass hier weder Ironie noch eine übertragene Bedeutung im Spiel sind, vielmehr der Verfasser weiß, das Wort „Trumpf" passt eigentlich nicht so richtig. Deshalb versieht er es mit Häkchen, ein Vorgehen, dass mir häufig in Texten begegnet. Das irrtiert den Leser und unterbricht den Lesefluss. Besser ist es, hier ein passenderes Wort zu wählen (z. B. Vorteil) oder den „Trumpf" ersatzlos zu streichen.
Auch im folgenden Satz signalisieren die Strichlein, dass dem Schreiber nichts Besseres eingefallen ist:

Das weltweite Netz vergisst nichts; diese „Marotte” des Internet sehen viele als Eingriff in ihr selbstbestimmtes Leben.

Solch eine Verlegenheitsverwendung der Anführungszeichen hat mit gutem Stil so viel zu tun wie Pommes frites mit einer frischen Kartoffel. Ich wette, Ihnen fallen für das Wort „Marotte" bestimmt passendere Alternativen ein. 🙂

Fazit

Wenn Sie nicht wollen, dass dem Leser vor lauter Anführungszeichen die Sinne schwinden oder er Ihre Aussage komplett missversteht, dann beachten Sie Folgendes:

  • Anführungszeichen dienen nicht der Betonung, sondern der Hervorhebung! Also keine Häkchen-Schwärme aussetzen.
  • Anführungsstriche bei wörtlicher Rede und Zitaten
  • Anführungszeichen kennzeichnen Ironie oder Distanzierung
  • Keine Verlegenheitshäkchen setzen – nach dem Motto „Ich weiß, das Wort passt nicht, aber mir fällt nichts Besseres ein”.

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Über den Autor Dr. Gabriele Frings

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