Die Redewendung – Dosenfutter oder frisches Sprachgrün?

floskeln

​​Wenn Sie in diesem Beitrag den roten Faden finden – Glückwunsch. Dann dürfen Sie ihn behalten. Zu gewinnen gibt es aber nichts, nicht mal einen Blumentopf.
Hm, sicherlich haben Sie die zwei Redewendungen erkannt. Ich habe sie abgewandelt. Warum? Ganz einfach – damit Sie mir Ihre Aufmerksamkeit schenken. Ich hoffe, es hat geklappt. 😉


Eine Redewendung im Text zu verwenden, hat ​Vorteile. Sie ist ​allgemein verständlich, hat Wiederkennungswert und gestaltet den Text bunter. Allerdings: Wenn Sie mit Ihrem Text die Aufmerksamkeit des Lesers gewinnen wollen, bringen Ihnen ​häufig benutzte Redewendungen gar nichts, darüber liest jeder hinweg. Abgenutzte Metaphern gibt es leider wie Sand am Meer​, sie nerven den Leser regelrecht statt ihn zu erfreuen. Besser ist es dann, den Satz ohne Redewendung zu formulieren. Dagegen lassen neue oder abgewandelte Sprachbilder ​einen Text pulsieren und sind echte Leser-Aufwecker. 


​Schauen wir uns ​mal einige Beispiele an.

Redewendung

1.​ ​ ​Die stehende Redewendung

        Im Konferenzraum herrschte eine angespannte Atmo­sphäre.

Haben Sie hier ein konkretes Bild vor ​Augen? Wohl ​kaum, denn über die floskelartige Wendung „angespannte Atmosphäre“ liest man hinweg. Und hier?

        Im Konferenzraum herrschte eine schweißgetränkte Atmosphäre.

Aha, hier haben Sie gerade sicherlich aufgehorcht, denn es entsteht ein Bild mit sinnlichen Eindrücken. Das ist echtes Kopfkino! Sie sehen, welch eine Wirkung eine ​nur wenig ​abgewandelte Redewendung haben kann. Noch zwei weitere Beispiele:

​     Nähere Einzelheiten finden Sie unter dem Menüpunkt „Produkte“.

Ob so der Werbetext den Leser zum Klicken bringt? Wie wäre es damit:

     Weitere spannende Einzelheiten finden Sie unter dem Menüpunkt „Produkte".

​Auch hier ist der Leser eher nicht begeistert:

     Sämtliche Mitglieder ​zeigten helle Begeisterung​.

​Hier schon eher:

     Sämtliche Mitglieder ​zeigten funkensprühende Begeisterung.

2. ​Sprachbilder ​

Die völlig abgeleierte Redewendung von der Spitze des Eisbergs gehört zu den Sprachbildern, bei denen Ihre Lösch-Taste zum T-Rex mutieren sollte. 

      Diese Zahlen sind nur die Spitze des Eisbergs. 

Hier erreicht der Schreiber sogar eher Aufmerksamkeit, wenn er die ​abgedroschene Metapher weglässt und beispielsweise schreibt:

     Diese Zahlen zeigen nur das, was bislang statistisch erfasst ​wurde.

​Auch bei sehr populären Sprachbildern lässt schon eine kleine Abweichung​ den Leser aufhorchen. Wenn Sie von Verlusten schreiben, die nicht haushoch sind, sondern so hoch wie ein fünfstöcki­ges Haus, dann will der Leser weiterlesen. Und lassen Sie die Start-ups nicht wie Pilze aus dem Boden schießen, sondern wie Pfifferlinge, dann merkt er garantiert auf – und Sie haben ihn auf Ihrer Seite.

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​3. ​​Sprichwörter

Sprichwörter sind im Unterschied zur Redewendung meistens auf feststehende Satzfügungen angewiesen, sind also weniger flexibel. Aber auch hier können Sie durch eigene, zum Kontext passende ​Veränderungen Aufmerksamkeitswunder bewirken. Ein schönes Beispiel fand ich auf der Webseite einer Marketing-Agentur:

    Wir haben manchmal auch verrückte Ideen – aber stets alle Tassen im Schrank.

​Also, nur Mut, wandeln Sie ruhig einmal eine populäre Redewendung ab​. Das gibt dem Leser in jedem Fall einen kleinen ​Stromstoß – und Sie haben ihn gewonnen.

​Fazit

​Abgedroschene Redewendungen sind das Dosenfutter der Schriftsprache. Versorgen Sie Ihren ​Leser stattdessen mit frischem Sprachgrün.​ Lassen Sie Floskel-Redensarten entweder weg oder wandeln Sie sie ab. So horcht Ihr Leser auf – und bekommt garantiert Appetit auf ​mehr. 

​Apropos: Hier konnte ich Ihnen nur einen Vorgeschmack zum Thema bildhaftes Schreiben geben.​ Wenn Sie ​​mehr Tipps und Tricks ​für eine bildhafte Sprache kennenlernen​ möchten, um Ihre Leser und Kunden zu überzeugen, dann empfehle ich Ihnen ​den ​Themen-Schreibkurs​ „Bildhafte Sprache = kraftvolle Texte“.

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Über den Autor Dr. Gabriele Frings

Als Schreibcoach, Dozentin und Autorin helfe ich Ihnen, einen professionellen Schreibstil zu entwickeln und so in Beruf und Business voranzukommen.

  • Harald Wende sagt:

    Frau Dr. Frings, es ist immer wieder toll, eine kalte Dusche von Ihnen zu bekommen um im Anschluss wie neu geboren z.B. in die nächsten Gesprächsrunden, in meinem Fall z.B. mit den Mandanten, Banken oder Finanzämtern zu gehen, ohne dabei selbst heiß zu laufen.

    • Dr. Gabriele Frings sagt:

      Hallo Herr Wende,
      das freut mich ja, wenn die Blogartikel als Muntermacher funktionieren. So soll es sein.
      Ich wünsche Ihnen weiterhin waches Kommunizieren. 🙂
      Viele Grüße
      Dr. Gabriele Frings

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