Mit diesen 5 Schreibtools zur Traumnote bei Ihrer Seminararbeit

tafel zu seminararbeit

Sie glauben, dass Ihr Prof seine knappe Zeit nicht damit verbringen will, die Kernaussagen Ihrer Seminararbeit aus einem Panzer von Schachtelsätzen und Wortblasen herauszuschälen? Ein guter Gedanke.

Aber Sie wissen trotz gut gemeinter Ratschläge nicht, worauf Sie konkret achten müssen, damit Ihre Seminararbeit zum Lesevergnügen für Ihren Dozenten wird?

Dann hab ich die Lösung für Sie! Ich zeig sie Ihnen hier.

1. Ihre Seminarbeit: Den Nominalstil vermeiden!

Um zu sagen, was Sie sagen wollen, verwenden Sie am besten die drei wichigsten Wortarten: Substantiv (Nomen), Verb und Adjektiv. Eine Tätigkeit wird mit einem Verb benannt. Äh, das ist doch klar, denken Sie jetzt? In wissenschaftlichen Texten findet sich jedoch immer wieder – und ich meine wirklich IMMER wieder – das Gegenteil: Handlungen werden in Nomen gequetscht. Hier ein Beispiel:

Aufgrund der Unterstützung der Energiezufuhr durch Turbinen arbeiten die Anlagen jetzt effektiver.

In diesem holprigen Satz muss der Leser das Verb unterstützen aus dem Nomen Unterstützung herausschälen – wie ärgerlich. Besser gleich so:

Weil Turbinen die Energiezufuhr unterstützen, arbeiten die Anlagen jetzt effektiver.

Das ist ein lebendiger Satz. Übrigens: Nomen auf „-ung“ sind immer von Verben abgeleitet. Benutzen Sie, wenn möglich, gleich direkt das Verb.

Der berüchtigte Nominalstil kommt dann zustande, wenn wir versuchen, möglichst viele Dinge in einen Hauptsatz zu stopfen. Nur nebenbei: Für unser Kurzzeit-Gedächtnis, das beim Lesen auf Hochtouren arbeitet, sind Sätze mit mehr als 30 Wörtern eine Qual! Ein Beispiel aus einem Psychologie-Buch:

Der Zusammenhang zwischen eingenommener Beachtung und empfangener Wertschätzung trägt nur einseitig in dem Sinn, dass der Genuss von Wertschätzung zwar stets mit dem Empfang von Beachtung verbunden ist, dass Beachtung aber nicht notwendig Wertschätzung einschließt.

Wenn wir die „-ung“-Nomen Beachtung und Wertschätzung wieder in Verben umwandeln, wird der Satz kürzer, flüssiger und verständlicher:

Beachtet und wertgeschätzt werden hängen nur einseitig zusammen, denn wer Wertschätzung erfährt, wird automatisch auch beachtet, aber nicht umgekehrt.

2. Ihre Seminararbeit: Keine Bandwurmsätze basteln!

Schachtelsätze sind typisch für Schreiber, die ihre Gedanken nicht auf den Punkt bringen können. Wenn Sie beherzigen, dass ein idealer Hauptsatz 15 bis 20 Wörter enthält, werden Sie kaum Gefahr laufen, ein solches Satzmonster zu produzieren.

Dazu noch 2 Tipps:

Verhältnis von Haupt- und Nebensatz – erste Wahl des Schreibers ist immer der Hauptsatz. Wichtig: er sollte die HAUPTSACHE  enthalten. Nebensätze sind untergeordnet und dazu da, über Bedingungen und Umstände des Hauptgegenstandes zu informieren.

Position des Nebensatzes – am wenigsten unterbrechen Nebensätze den Lesefluss, wenn sie  an den Hauptsatz angehängt werden. Beim Einfügen in den Hauptsatz – was natürlich auch mal vorkommen darf – darauf achten, dass nicht zwei Nebensätze hintereinander folgen.

Hier ein gelungenes Beispiel für beide Positionsvarianten aus einer philosophischen Seminararbeit:

Unser Denken ist also extrem eingeschränkt, da wir alles, was nur teilweise nicht in unser Bild passt, sofort aussortieren. Die Frage, die sich mir jetzt stellt, beschäftigt sich damit, ob sich das gerade Erwähnte auch auf unsere Sprache auswirkt.

3. Ihre Seminararbeit: Sparsam mit dem Passiv umgehen!

Der Text wird von den Studenten gelesen.

In diesem Passivsatz gibt es eine handelnde Person, die Studenten. Und die sollten dann auch das Subjekt sein. Das funktioniert nur in einem Aktivsatz:

Die Studenten lesen den Text.

Ein anderes Beispiel:

Von Seiten der Mediziner wird eine große Chance darin gesehen, dass …

Sperriger geht es kaum. Leserfreundlich ist nur die Aktiv-Variante:

Die Mediziner sehen eine große Chance darin, dass ...

Merke: Das Passiv ist nur dann sinnvoll, wenn der Akteur nicht bekannt oder unwichtig ist: Der Bahnhof wird um 22.00 Uhr geschlossen.

Also: schreiben Sie möglichst im Aktiv, benennen Sie das Subjekt. Sätze im Aktiv sind dynamischer und verständlicher, Sätze im Passiv sind schon durch das Hilfsverb „werden“ länger und häufig umständlich formuliert.

4. Ihre Seminararbeit: Weg mit Blähwörtern und Floskeln!

Nehmen Sie nicht das Geschwafel aus den Medien auf!

Ein typisches Beispiel, über das wir schnell hinweglesen:

Im Bereich der Technologie sind Verbesserungen notwendig.

Mehr Bla-bla geht kaum! Hier der Klartext-Satz:

In der Technik sind Verbesserungen notwendig.

Nee, nicht mal dran denken – Gebiet oder Ebene sind auch nicht besser als der inhaltsleere Bereich.

Reine Blähwörter sind auch die Adjektive mit der Endung „-weise“ wie vergleichsweise oder möglicherweise. Eine Checkliste mit typischen weiteren Füllwörtern finden Sie in diesem Beitrag.

Also: Lassen Sie die schlechte Luft aus Ihren Sätzen raus!

5. Ihre Seminararbeit: Vorsicht mit Fremdwörtern und Fachbegriffen!

Glauben Sie, ein durchschnittlich gebildeter Leser versteht die implizite Metaphorik? Nein? Dann schreiben Sie besser von der eingeschlossenen Bildersprache.

Noch etwas: Wenn Sie Fremdwörter benutzen, begeben Sie sich auf Glatteis. Oder wissen Sie auf Anhieb zu sagen, was der Unterschied zwischen tendenziös und tendenziell ist? Oder zwischen effizient und effektiv?

Zu viele Fremdwörter, auch wenn sie richtig gebraucht sind, lassen schnell einen gestelzten, unnatürlichen Sprachstil entstehen. Suchen Sie also möglichst oft die deutsche Entsprechung.

Noch ein Wort zu den Fachtermini: Ja, Sie sollten Sie verwenden, aber bitte sparsam! Auch Ihr Prof will nicht zum hundertsten Mal vom Diskurs lesen, sondern, je nach Kontext, mal von einer Abhandlung oder einem Gespräch. Benutzen Sie also so oft wie möglich schlichte, allgemein verständliche Begriffe.

Fazit:

Auch wenn es schwerfällt, akademisch klingende Wort- und Satzkreationen loszulassen:

Tun Sie es!

Fremdwörter, Nominalisierungen, viel Fachvokabular – all das lässt Sie nicht klüger oder sprachgewandter erscheinen. Im Gegenteil. Der Leser, zumal der versierte wie Ihr Dozent, erkennt die heiße Luft in Ihren Sätzen und wird schneller die Lust an Ihrem Text verlieren als Sie „Nominalstil“ sagen können. Dabei ist es so einfach, ihm ein Lesevergnügen zu bereiten!

Sagte ich das schon? Die 5 Tricks gelten natürlich erst recht für Ihre Bachelor- und Masterarbeit!

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Über den Autor Dr. Gabriele Frings

Als Schreibcoach, Dozentin und Autorin helfe ich Ihnen, einen professionellen Schreibstil zu entwickeln und so in Beruf und Business voranzukommen.

  • Fabio sagt:

    Sehr schön geschrieben! Wenngleich die Forderungen an Hausarbeiten nirgendwo dieselben sein dürften, werden alle Studenten mit diesen Tipps weit kommen.

    Für die Philosophie kann ich die Ratschläge (1) und (3) vollumfänglich unterschreiben. Gerade zu (3) neigen Studenten, weil sie die 1. Person Singular scheuen. Manchmal ist es die Angst, als Vermessen zu gelten, weil „ich“ doch keinen Beitrag zur Philosophie leiste und „ich“ daher nicht im Text zu finden sein darf. Auch ist die Vorstellung verbreitet, Wissenschaftlichkeit und Objektivität würden jedes „ich“ ausschließen.

    Was (2) anbelangt: Ich empfehle, einen Satz so früh wie möglich zu beenden; nämlich dann, wenn die Verständlichkeit durch einen neuen Satz gewinnt, weil alles gesagt ist, was in einem engeren Zusammenhang steht. Dann kann man neu ansetzen. Sollten die eigenen Gedanken zu kompliziert dafür sein, sie in kurzen Sätzen unterzubringen, müssen die Gedanken noch reifen, nicht die Sätze anschwellen!

    Zu (4): In seltenen Fällen ist es in Ordnung, die vermeintlichen Füllwörter doch zu verwenden. Sie eigenen sich ja durchaus dazu, sperrige Sätze aufzulockern, emphatisch zu formulieren und Aufmerksamkeit zu lenken.

    Und (5): Die meisten Hausarbeiten und Aufsätze drehen sich um einen zentralen Begriff, und um diesen zu erklären und zu diskutieren, genügen wenige weitere Begriffe. Das Wichtige ist, diese Begriffe niemals sinnlos zu variieren und entsprechend immer dieselben Wörter zu schreiben! Wenn „Diskurs“ das Thema ist, dann heißt es immer „Diskurs“, nie „Abhandlung“ oder „Gespräch“. Es heißt auch nicht „Welt, in der wir leben“, wo es um die „Lebenswelt“ geht.

    Vielen Dank für Ihren Beitrag und
    Herzliche Grüße
    Fabio

  • Leonard sagt:

    Hallo Gabriele,
    ich kam leider erst jetzt dazu, Ihren Artikel zu lesen. Sie hatten unter meinem Blogeintrag einen Kommentar dagelassen. Ihr Artikel ist wirklich sehr interessant und ergänzt meinen dazu! Ich lasse für die Leser einfach mal den Link zu meinem Beitrag da, sodass diese mehr Informationen bekommen: http://studovie.com/2017/02/01/seminararbeit-besser-schreiben/
    Es wäre auch sehr nett, wenn Sie mir eine E-Mail schreiben könnten.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Leonard

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