3 erstaunlich einfache Tricks, wie Sie schnell in den Schreibfluss kommen

schreibfluss

 „Wer nicht weiß, wohin er segeln will, für den ist kein Wind der richtige.“ (Seneca) 

Ja, so richtig loslegen, mit vollen Segeln direkt in den Schreibfluss kommen – das ist uns eher selten vergönnt. Meistens sieht es so aus, wie bei meinem Kollegen damals: Er saß mal wieder vor seinem Word-Doc, ei­nen Ell­bo­gen auf den Schreib­tisch ge­stützt, das Kinn in die Hand ge­legt, die an­de­re am Kaf­fee­becher, der Blick ins Leere gehend. Sein Monitor: weiß. Seine Stimmung: schwarz. „Mist, ich weiß nicht, wie ich's schreiben soll!“ Der Arme, er befand sich komplett in ausgedörrtem Gedankenterrain statt im fruchtbaren Schreibfluss.

Seneca hatte recht. Wenn man nicht weiß, wohin es geht mit dem Text, kommt man nicht weiter. Meistens sieht es dann so aus: schreiben, denken, löschen, wieder schreiben, wieder löschen. So kann es natürlich stundenlang gehen. 

Mit welchen einfachen Tricks Sie diese zeitraubende Prozedur hinter sich lassen und locker in den Schreibfluss kommen? Das zeige ich Ihnen nun. 

1. Im Schreibfluss: Erst denken und recherchieren – dann schreiben 

Nach einer halben Stunde immer noch vor dem ersten Satz sitzen – keine Seltenheit beim Schreiben. Kenne ich auch. Wobei – das Schreiben wird ja ach so wohltuend unterbrochen von Hier-nur-kurz-die-Mails-checken, Da-mal-schnell-in-Social-Media-reinschauen ... Haaalt! Das sollten Sie NICHT tun. Dann fangen Sie immer wieder bei Null an, denn die Gedanken sind zerstreut statt gesammelt, sie bekommen immer wieder einen anderen Impuls. Folge: Sie ändern ständig Ihren Blickwinkel und schreiben die ersten Sätze wieder komplett um. 

Bleiben Sie beim Schreiben und bei Ihren Gedanken: WAS will ich mitteilen? Machen Sie Stichpunkte und entwerfen Sie eine grobe Struktur. Und wissen Sie was? Das ist schon der halbe Text – und der eine Fuß im Schreibfluss. Denn dann sind Sie gedanklich auf Ihr Thema zentriert. Und bleiben es auch – die beste Voraussetzung, ins fließende Schreiben zu kommen.

Sie merken beim Stichpunkte erstellen, dass Sie dieses oder jenes noch recherchieren müssen? Tun Sie das noch VOR dem Schreiben. Sammeln Sie alle Infos, damit Sie nicht beim Schreiben die Flucht antreten können mit dem Vorwand „Ach, das muss ich noch schnell nachschlagen“. 

Sollten Sie doch einmal beim Texten merken, dass Ihnen eine Info fehlt, dann lassen Sie eine Lücke und füllen Sie sie später. Denn das Wichtigste beim Schreiben ist: das Schreiben. Bleiben Sie also auf jeden Fall dran.

2. Im Schreibfluss: Der erste Satz ...

Stopp! Beginnen Sie nicht mit dem ersten Satz – er ist der schwierigste. Fangen Sie Ihren Text mit dem letzten an, so wie der US-Schriftsteller John Irving, der alle seine berühmten Romane so zu schreiben begonnen hat.

Ok, es muss nicht unbedingt der allerletzte Satz sein, jedoch hat es sich  bewährt, den Text vom Ende her zu denken. Was ist Ihre Schlussfolgerung, Ihr Fazit, die Essenz Ihrer Botschaft, die Sie dem Leser mitgeben wollen? Wenn Sie das stehen haben, wissen Sie, wohin Sie wollen mit Ihrem Text. Sie haben eine Richtung, einen roten Faden und kommen viel eher in den Schreibfluss. 

So kann sinnvollerweise Ihr Schreibvorgehen dann aussehen:
1. grobe Überschrift
2. das Fazit skizzieren
3. Hauptteil schreiben
4. die Einleitung oder, bei Marketing-Texten, den Teaser verfassen.

Ja, die Einleitung sollten Sie zum Schluss schreiben, denn Sie ist eine Art Zusammenfassung Ihres ganzen Textes. Hier zeigen Sie dem Leser, was ihn im weiteren Text erwartet. 

3. Im Schreibfluss: Schreiben Sie, wie Sie sprechen 

Sie beginnen nun zu schreiben, die ersten Sätze stehen, Sie lesen sie noch einmal – und, ach nee, das klingt nicht gut, viel zu holprig und umständlich. Und dieser Satz ... viel zu lang. Schwupps! Schon hat der innere Kritiker Sie fest in der Hand und damit aus dem Schreibfluss geholt.

Dem werden wir jedoch Redeverbot erteilen und zwar mit dieser erprobten Kreativitätstechnik: Schreiben Sie zunächst so, wie Sie sprechen. Stellen Sie sich dazu vor, was Sie in einem persönlichen Gespräch zu Ihrem Kunden sagen würden. Noch besser: Sprechen Sie Ihren Text, so wie er Ihnen kommt, in Ihr Phone (kostenlose Diktier-Apps gibt's viele). Ohne Satzzeichen und ohne lange darüber nachzudenken. Das ist vielleicht beim ersten Mal ungewohnt, aber es macht Spaß. Probieren Sie es aus!

Werfen Sie also die Perfektion erst einmal über Bord, denn Texten ist ein Prozess und Sie schreiben zunächst einen Rohtext. Später, wenn Ihr Text schwarz auf weiß steht, können Sie ihn dann überarbeitenWichtig ist: Ihr Leser sollte sich angesprochen fühlen, damit er gerne weiterliest (auch dazu gibt's einen eigenen  Blogbeitrag ). Und glauben Sie mir: Auch der Leser merkt, dass Sie im Schreibfluss waren. 🙂

Ich bin ganz neugierig: Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Schreibfluss? Welche Strategien haben Sie, um dran zu bleiben am Text?
Erzählen Sie gerne unten im Kommentarfeld. Ich freue mich über Ihre Nachricht. 

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Über die Autorin Dr. Gabriele Frings

Als Schreibcoachin, Trainerin, Textberaterin, Dozentin helfe ich Ihnen, einen professionellen Schreibstil zu entwickeln und in Beruf und Business erfolgreich zu sein.

  • Sabine sagt:

    Coole Tipps, danke dafür! Ich versuche schon, so zu schreiben wie ich spreche. Nicht so einfach, wie man denkt. Und ich werde mal ein bisschen diktieren und aufnehmen.
    Lieben Gruß von Sabine aus dem Mausloch

    • Dr. Gabriele Frings sagt:

      Hallo Sabine,
      ja, den eigenen Text einmal gesprochen zu hören, ist eine ungeheuer hilfreiche Methode, um Stolpersätzen und umständlichen Formulierungen sofort auf die Schliche zu kommen. Dazu gibt’s auch Programme wie Balabolka, es geht aber auch mit einer Diktier-App.
      Viel Erfolg!
      Herzliche Grüße
      Dr. Gabriele Frings

  • Ulrike sagt:

    Ich habe ja immer gedacht. dass ich solche Artikel nicht nötig habe. Aber ich habe doch etwas mitnehmen können. Danke dafür. LG Ulrike

  • Dr. Ulla Reutner sagt:

    Hallo Frau Frings,

    sehr schön, diese Tipps. Ich muss zugeben, ich lese Ihren Newsletter selten. Diesmal hat mich das Thema jedoch „angemacht“ – ich wollte wissen, ob Sie die gleichen Tipps geben, die sich bei mir bewährt haben. Ja, genau so war es.

    Nur noch zwei Hinweise – ergänzend: Auch „Kurztexte“ wie Zwitis, Headlines und Bildunterschriften schreibe ich in der Regel nicht im „ersten Wurf“ – Ausnahme: Sie „fließen“ gerade so wie der Fließtext. Und inzwischen beginne ich in aller Regel sogar mit dem Vorspann und dem ersten Absatz. Manchmal werden die noch überarbeitet – in der Regel werden sie dabei kürzer/knackiger. Das geht natürlich nur, wenn man Ihren Tipps folgt und sich mit dem Thema so weit auseinandergesetzt hat, dass der Artikel „im Kopf“ bereits steht, bevor man mit dem Schreiben loslegt.

    Mit dem „zwischendrin Recherchieren“ bin ich noch nicht ganz so weit – es kommt immer wieder vor, dass ich doch während des Schreibens auf etwas stoße, was „mal schnell“ recherchiert werden muss. Meist sind es jedoch nur noch Kleinigkeit, die Bedeutung einer Abkürzung in einem Technikfeld, in dem ich nicht ganz so firm bin. Aber auch da muss man aufpassen, dass man nicht rauskommt aus dem Schreibfluss.

    Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg.

    Dr. Ulla Reutner, Redaktionsbüro

    • Dr. Gabriele Frings sagt:

      Liebe Frau Dr. Reutner,

      haben Sie herzlichen Dank für Ihre nette, inspirierende Nachricht mit Ihren Erfahrungen. Das freut mich ja, dass Sie als Fachfrau ähnliche Strategien anwenden. Und ja, aus dem Schreibfluss ist man wirklich schnell raus. Ich schließe beim konzentrierten Texten auch alle E-Mail- und Social-Media-Fenster – denn es ist zu verlockend, dem Impuls „nur mal schnell nachschauen“ nachzugeben. Und Sie haben recht, auch das Nachschauen nach Kleinigkeiten kann einen auf dem Trockenen stranden lassen.
      Dann weiterhin viel Freude und Erfolg bei Ihren Begegnungen mit der schönen deutschen Sprache!
      Viele Grüße
      Dr. Gabriele Frings

  • Valeria sagt:

    Vielen Dank für die hervorragende Unterstützung und die wertvollen Tipps.

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