3 einfache Tricks – und Ihr Text kommt 100%ig beim Leser an!

rotes auto zu wahrnehmungstyp

Der Leser heißt Leser, weil er sammelt. Keine Trauben, wie bei der Trauben-Lese, sondern Wörter. Dabei hat er es vor allem auf die besonders nahrhaften abgesehen. Und das sind Wörter, die in seinem Inneren ankommen.

Sicher kennen Sie den Rat, möglichst oft bildhafte Ausdrücke beim Schreiben zu benutzen, um so das Interesse beim Leser zu wecken. Dieser Tipp ist tatsächlich eine Grundregel für lebendigen, anschaulichen Schreibstil.

Aber: Es gibt noch eine ganz andere Dimension der bildhaften Sprache! Sie wollen Ihren Leser wirklich erreichen? Dann beachten Sie seinen Wahrnehmungstyp. Was das ist? Das zeige ich Ihnen im heutigen Beitrag – und entführe Sie dazu in die spannende Welt der Psychologie.

1. Wie wir die Welt wahrnehmen

Babys hören bereits im Mutterleib und erkennen, kaum auf der Welt, bald die Stimmen der Hauptbezugspersonen. Kleinkinder fassen alles an und stecken es in den Mund, so erfassen sie ihre Umwelt. Wir Erwachsene benutzen dafür vorrangig die drei Sinneskanäle Sehen, Hören und Fühlen.

​Vielleicht haben Sie schon einmal vom Kommunikationsmodell des Neurolinguistischen Programmierens (kurz: NLP) gehört, das die beiden amerikanischen Psychologen John Grinder und Richard Bandler in den 70er Jahren entwickelten. Sie fanden heraus, dass die meisten Menschen über einen bevorzugten Sinneskanal ihre Umwelt wahrnehmen. Zwar bedient sich ein gesunder Mensch aller Sinne, aber er hat einen Kanal, auf den er sich überwiegend verlässt.

Und jetzt kommt's: Diese Sinnespräferenz prägt unsere Wortwahl. Mit den Wörtern, die wir benutzen, zeigen wir, auf welchem Sinneskanal wir gerade empfänglich sind. Wir können auch sagen, wir präsentieren den Mitmenschen ein bestimmtes Bild von uns. Deshalb sprechen Grinder und Bandler vom Repräsentationssystem eines Menschen. Es wird auch als Wahrnehmungstyp bezeichnet.

Sie würden gerne wissen, welchen Wahrnehmungstyp sie gerade bevorzugen? Dann denken Sie einmal spontan an Ihren letzten Urlaub – und? Was kam zuerst? Ein Bild, ein Geräusch oder ein Gefühl? Würden Sie jetzt jemandem von Ihrem Urlaub berichten, würden Sie tatsächlich ganz bestimmte Wörter benutzen. Interessant, oder?

So, jetzt geht's ​zur Auswahl der sinnesspezifischen Wörter.

2. Die 3 Wahrnehmungstypen

1. Der visuelle  Wahrnehmungstyp

Etwa 40 % der Menschen sind visuell ausgerichtet. Sie nehmen ihre Umgebung vor allem optisch wahr, denken häufig in Bildern, die sie sehr schnell in ihrem Kopf abrufen können. ​

​Die Wörter und Formulierungen weisen auf sichtbare Dinge hin. „Davon kann ich mir ein Bild machen“ oder „Das sehe ich ein“ sind typische Formulierungen. Außer dem Grundverb „sehen“​ und Farbbezeichnungen tauchen sehr häufig Wörter auf wie:

anscheinend, Ansicht, Ausblick, ausmalen, Bild, bildlich, Blickwinkel, direkt vor Augen, Einblick, einen Blick dafür bekommen, einen Blick riskieren, es sieht so aus, fotografisches Gedächtnis, hellsichtig, Illusion, im Bilde sein, im Blick haben, im Licht von, ins Auge fallen, klar abgegrenzt, Klarheit, liebäugeln, mir scheint, Perspektive, scheinbar, schleierhaft, sonnenklar, Szene, den Tatsachen ins Auge sehen, Überblick, unklar, unscharf, vage, Vision, weitsichtig

2. Der auditive Wahrnehmungstyp

In diese Gruppe fallen etwa 20 % der Menschen. Dieser Typus hört sich gerne selber sprechen und ist sensibel für alle Geräusche und Stimmen. Er braucht Zeit beim Nachdenken, denn er denkt in Wörtern und Sätzen. ​

​Auditive benutzen überdurchschnittlich oft Wörter und Ausdrücke, die auf Klang hinweisen. So sagen sie etwa: „Das klingt gut“ oder „Meine innere Stimme sagt mir...“. Neben dem Grundverb „hören“ und den Synonymen für das Verb „sagen“ sind Beispiele hierfür:

ausgesprochen, aussprechen, Bemerkung, Bericht, das höre ich gern, detailliert beschreiben, die Meinung sagen, dröhnend, klingt wie ... in meinen Ohren, geräuschvoll, Gerücht, Gesprächsrunde, guter Ruf, Harmonie, hörbar, das hört sich gut an, in Rufweite, klangvoll, kommunizieren, melodisch, mündlich, Musik in den Ohren, nie gehört, Ruhe, schrill, Schweigen, sich unterhalten, sprachlich, Stille, Stimme, Tonfall, verkünden, Wort für Wort, zornig, zusammenfassen

3. Der kinästhetische Wahrnehmungstyp

Zu dieser Gruppe gehören etwa 40 % der Bevölkerung. Der kinästhetische Typ lebt vor allem in seinen Gefühlen. ​Kinästhetiker hören in sich hinein und klopfen erst mal ihre Gefühle ab, bevor sie sich äußern.

Diese Personen sagen zum Beispiel: „Ich hab' kein gutes Gefühl dabei“ oder „Ich hatte schon so eine Ahnung“. Die von ihnen gewählten Wörter deuten vermehrt auf Empfindungen, Bewegungen oder Fühlbares hin:

aktiv, anschieben, angespannt, Atmosphäre, auf unsicherem Boden, Basis, Berührung, betroffen, Bewegung, Bindung, bleib dran, den Rücken freihalten, die Fäden ziehen, die Karten auf den Tisch legen, Druck, durchhängen, festmachen, fließen, Fundament, Hand in Hand, handhaben, hart, kann nicht folgen, etwas in den Griff bekommen, in Kontakt kommen, Intuition, konkret, leichtfertig, messerscharf, oberflächlich, sich etwas aus dem Kopf schlagen, solide Basis, umschalten, unter Druck sein/setzen, unterstützen



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​3. Wie finden Text und Leser zusammen?

Die beiden amerikanischen Psychologen Grinder und Bandler haben in einem Experiment mit drei Gruppen weiter herausgefunden, dass Menschen mit gleichem Repräsentationssystem viel leichter miteinander kommunizieren können. Tja, was ​ich immer schon gesagt habe: Menschen, die ähnlich ticken, verstehen einander einfach besser. 😉

Und genau diese Erkenntnis können Sie sich als Texter zunutze machen. Zum Beispiel dann, wenn Sie einen Text für eine bestimmte Berufsgruppe schreiben. Designer, Architekten oder Künstler sind ganz besonders auf dem visuellen Sinneskanal empfänglich. Hier können Sie dann in Ihrem Text ganz bewusst auf das sinnesspezifische Vokabular zurückgreifen, mit dem Effekt, dass Sie bestens verstanden werden.

Da die meisten von uns aber Texte für eine ganz unterschiedliche Leserschaft schreiben, sollten Sie darauf achten, dass Sie in Ihrem Text die sinnesspezifischen Wörter in ausgewogener Mischung benutzen.​ Übrigens hat große Literatur genau diese vielfältige Mischung von sinnesbasierten Wörtern. Das macht ihre universale Anziehung aus.

Es lohnt sich, den Blick für das sinnesspezifische Vokabular ein wenig zu schulen. Dafür braucht man allerdings ein wenig Zeit. Außer durch Lesen von Texten können Sie auch durch Hören von Interviews in Radio, Podcasts oder Fernsehen die Wörter trainieren. Bewaffnen Sie sich mit einer dreispaltigen Tabelle für visuell, auditiv und kinästhetisch. Dann machen Sie bei jedem gehörten Wort oder Ausdruck einen Strich in die entsprechende Spalte. Nach ein paar Minuten können Sie meistens die Präferenz des Autors oder Sprechers erkennen.

Sie wollen mit Ihrem ​Web-Text auf Nummer sicher gehen, damit er Leser anzieht und Kunden bindet? Mit meinem 1:1-Textcoaching​unterstütze ich Sie gerne. Mehr über meine Leistungen erfahren Sie hier.

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Über die Autorin Dr. Gabriele Frings

Als Schreibcoachin, Trainerin, Textberaterin, Dozentin helfe ich Ihnen, einen professionellen Schreibstil zu entwickeln und in Beruf und Business erfolgreich zu sein.

  • Karl Stieler sagt:

    Meine innere Stimme sagt mir: das muss ich lesen! Und wieder einmal war es sehr gut zu lesen. Es hat mein gefühltes Wissen bestätigt.

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