Ihr Leser im Glücksrausch – und das geht so: kurzer Satz und EINE Info

kurzer satz

„Gestern, da hab ich die frühere Nachbarin getroffen, die jetzt in Berlin wohnt, weil dort Ihr Sohn seit einem Jahr einen Job hat – den er übrigens auch nur durch Beziehungen bekommen hat, damals, als er auf der Party diesen Projektleiter kennenlernte, du weißt schon …“ Nee, ich weiß nix, weil du nicht auf den Punkt kommst! 

Und nicht zum Punkt, nämlich zum Satzende-Punkt. Doch genau das ist die wichtigste (und meist schwierigste) Fähigkeit beim Schreiben: Einen Satz beenden, wenn eine Information mitgeteilt ist. 

Doch oft sieht es so aus: Zwei, drei, ja vier wichtige Informationen sind in einen einzigen Satz gestopft wie Kleider in einen übervollen Koffer, auf den man sich setzen muss, damit er zugeht. Solch ein Satzgemenge ist ein Hauptgrund, weshalb der Leser und Nutzer aus dem Text aussteigt.

Wie Sie es nun erstaunlich leicht schaffen, dass IHR Leser in einen Glücksrausch kommt, weil er sich von Ihren Texten bestens informiert fühlt und deshalb weiterliest, das zeige ich Ihnen nun. 

1. Kurzer Satz und EINE Info: keinen Nebensatz an ein Hauptwort hängen

Dass sich aus der neuen Biodiversitätsstrategie, der zufolge bis 2030 ein Viertel aller Agrarflächen ökologisch genutzt werden soll, auch ein Auftrag für den Einzelhandel ableitet, versicherte der Unternehmensinhaber.

Erschlagen vom übervollen Koffer? Verständlich. „... der zufolge bis 2030 ein Viertel aller Agrarflächen ökologisch genutzt werden soll“ – hallo?! Das ist eine wichtige Information! Und diese Hauptinfo sollte in einem eigenen HAUPTsatz stehen und nicht in einem Nebensatz, der mal eben an das Hauptwort „Biodiversität” angeklebt wird (solche Nebensätze heißen übrigens Relativsätze). Das irritiert den Leser. Denn so konkurrieren in einem einzigen Satz zwei Hauptinfos miteinander: 1) bis 2030 soll […]; 2) daraus leitet sich ein Auftrag [...] ab. Das Problem für den Leser: Worauf soll er sich hier konzentrieren, wo innehalten für eine kurze Reflexion?

Wir geben deshalb jeder Information einen eigenen Satz und beginnen mit der ersten Hauptbotschaft, die bisher im Nebensatz stand:

Bis 2030 soll ein Viertel aller Agrarflächen ökologisch genutzt werden. (Hier kann der Leser bequem innehalten und die Info sacken lassen.) Diese Forderung gehört zur neuen Biodiversitätsstrategie. Aus ihr leite sich auch ein Auftrag für den Einzelhandel ab, versicherte der Unternehmensinhaber. (Bing, die zweite Hauptinfo, die der Leser gut verarbeiten kann.)

Im folgenden Beispiel warf der Schreiber sogar zwei gewichtige Hauptinformationen in den dünnen Nebensatz, der wieder ans Hauptwort angepappt ist: 

Vor allem von Kunststoffen ist der Designer, der in den achtziger Jahren auf diesem Gebiet den italienischen Automobilhersteller Alfa Romeo beriet und so für höheren Absatz sorgte, bis heute fasziniert.

Der Designer ist ... ja ... ja ... was denn?! Hechel ... Bis der Leser zur Information „fasziniert“ vorgedrungen ist, ist er längst blau angelaufen. Und verwirrt, denn auf welche der drei (!) Hauptinfos in diesem Satz soll er sein Augen- und Gedankenmerk richten? 

Wir eilen ihm zu Hilfe und zwar mit unserem Wunder-Werkzeug, das da heißt „Kurzer Satz mit EINER Info”. So bauen wir drei Hauptsätze mit jeweils EINER Information: 1) Der Designer ist [...] fasziniert. 2) Er beriet [...] Alfa Romeo. 3) Und er sorgte so für höheren Absatz. Dann liest sich der Text so: 

Vor allem von Kunststoffen ist der Designer bis heute fasziniert. Auf diesem Gebiet beriet er in den achtziger Jahren  den italienischen Automobilhersteller Alfa Romeo und sorgte so für höheren Absatz.

Siehe da, der Leser hat wieder eine rosige Gesichtsfarbe. 🙂 

2. Kurzer Satz und EINE Info:

kein „wobei”

Das Ziel gemeinsam getragener Entscheidungen wird in einem klaren Prozess erreicht, wobei Vorbehalte, Risiken und verborgene Konflikte in frühen Phasen sichtbar werden sollten, die in späteren Phasen Kostensteigerungen und Verzögerungen verursachen, und das, wenn bereits erhebliche Investitionen getätigt worden sind. 

Hier noch einmal der Text mit den farbig markierten drei Hauptinformationen:

1) Das Ziel gemeinsam getragener Entscheidungen wird nur in einem durchdachten Prozess erreicht, 2) wobei Vorbehalte, Risiken und verborgene Konflikte in frühen Phasen sichtbar werden sollten, 3) die in späteren Phasen Kostensteigerungen und Verzögerungen verursachen, und das, wenn bereits erhebliche Investitionen getätigt worden sind. 

Das gleiche Prozedere: Schnipp, schnapp, wir trennen die drei Hauptinfos wieder voneinander, kicken das Ich-wusste-kein-besseres- Klebemittel-Wort „wobei” hinaus und geben jeder Info einen eigenen knackigen Satz. Ach ja, und die steifen „ung”-Nomen „Kostensteigerungen” und „Verzögerungen” wandeln wir in die lebendigen Verben (Kosten) steigen und verzögern um. Dann können wir dem Leser und Nutzer mit gutem Gewissen sagen: Es ist angerichtet.

Das Ziel gemeinsam getragener Entscheidungen wird nur in einem durchdachten Prozess erreicht. Vorbehalte, Risiken und verborgene Konflikte sollten in frühen Phasen sichtbar werden. In späteren Phasen lassen sie die Kosten steigen und verzögern den Prozess, und das, wenn bereits erhebliche Investitionen getätigt worden sind.

So schmeckt's garantiert auch dem fachkundigen Leser. 

Praxis-Tipp: Ordnen Sie Ihre Gedanken, überlegen Sie, welche Infos Sie mitteilen wollen und machen Sie sich kurze Notizen. Geben Sie dann jeder Info einen eigenen Satz. Oder: Setzen Sie einen Punkt, wenn Sie dem Leser etwas Wichtiges mitgeteilt haben. Zum Schluss lesen Sie sich den Text noch einmal laut vor. Würde jemand, der Ihnen gegenübersitzt, gut folgen können? 

Selbst solch ein kurzer Satz wie der folgende kann durch unseren Kniff „Kurzer Satz und EINE Info” leserfreundlicher gestaltet werden: 

Das Team hatte das Problem letztlich gelöst, wobei allerdings zu bedenken ist, dass der Zeitrahmen für die Fertigstellung des Projekts weit überschritten wurde.

-> Das Team hatte das Problem letztlich gelöst. Allerdings ist zu bedenken, dass der Zeitrahmen für die Fertigstellung des Projekts weit überschritten wurde.

Wer meine Newsletter liest, wird hier sicherlich aufmerken und den dass-Satz noch ins Visier nehmen. Bestens! Denn: Der dass-Satz enthält als Nebensatz hier sogar die Hauptinformation, nämlich, dass der Zeitrahmen überschritten wurde. Der Hauptsatz dagegen enthält eine Banalität: „Allerdings ist zu bedenken” (mehr zu diesem Thema im Blogbeitrag Ein genialer Trick für Verständlichkeit: Hauptsachen in Hauptsätze! ). Der banale Hauptsatz-Inhalt kommt deshalb in den Kann-weg-Container und die Hauptinfo teilen wir in einem eigenen Hauptsatz mit:

Das Team hatte das Problem letztlich gelöst. Allerdings wurde der Zeitrahmen für die Fertigstellung des Projekts weit überschritten.

Jepp! Kurz und knackig wird der Leser hier informiert. Und er merkt: Wie wooohltuend sind solche Sätze!

Und Sie sehen: Ihrem Leser und Nutzer solch eine Wohltat zukommen zu lassen, ist keine Zauberei! Ein wenig Aufmerksamkeit für den Satzbau der deutschen Sprache mit der Regel „kurzer Satz und EINE Info” – mehr braucht's nicht.
Oder doch? (siehe hier unten ... 😉 )

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Über die Autorin Dr. Gabriele Frings

Als Schreibcoachin, Trainerin, Textberaterin, Dozentin helfe ich Ihnen, einen professionellen Schreibstil zu entwickeln und in Beruf und Business erfolgreich zu sein.

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