Gut, besser, Metapher – mit einem sinnlichen Sprachbild zum großartigen Text

metapher

Eingestreute Sprachbilder machen Ihren Text sexy! Warum? Weil beim Leser durch die Bilder im Kopf die Sinne wie Sehen, Hören, Riechen und Schmecken aktiviert werden. Und ein sinnlicher Kick – darauf fährt der Leser am meisten ab!

Eine gute Metapher ist für den Leser wie ein sonnengelber Farbtupfer im Text-Grau-in-Grau.

Wie Sie zu magischen Metaphern kommen, die den Leser den frisch gebrühten Kaffee vergessen lassen ? Das zeige ich Ihnen hier.

1. Was ist eine Metapher?

Die Metapher ist von allen Sprachbildern die am häufigsten gebrauchte Stilfigur. Metapher kommt vom griechischen Verb metapherein = hinübertragen und meint „Bedeutungsübertragung“: ein Begriff wird außerhalb seines üblichen Gebrauchs verwendet und auf einen fremden Zusammenhang übertragen. Wenn Sie meinen: Mein letzter Text ist Schnee von gestern. Dann haben Sie mit dieser Redewendung bereits eine Metapher gebraucht. Alter Schnee ist nicht mehr frisch, er ist grau, alt. Und diese Eigenschaft wird hier auf das Wort Text übertragen.

Bei der Metapher fließen also Aussehen, Funktion oder Eigenschaften zweier verschiedener Dinge ineinander.

2. Wie bilde ich eine Metapher?

Eine Metapher ist eine besondere Form des Vergleichs, sie kommt aber ohne „wie“ und „als“ aus.

1. Die Mini-Metapher

Sie ist eine Kombination aus zwei Wörtern. Meistens sind es zwei Substantive wie z. B. bei Besucherstrom, Datenautobahn oder Geldwäscherei. Stimmt's? Diese Wörter nehmen Sie längst nicht mehr als besondere Bilder wahr. Sie gehen im Lesefluss unter. Denn sie zählen zu den Alltagsbildern. Von den sogenannten verblassten Metaphern wie Augapfel oder Brötchengeber ganz zu schweigen.

Ein Vorteil der kurzen Metapher ist, dass sie äußerst einprägsam ist. Deshalb wird sie oft auch in Politik und Werbung genutzt. Denken Sie etwa an die aktuelle Flüchtlingswelle. Hier wird bewusst auf Assoziationen beim Leser gesetzt.

2. Die Maxi-Metapher

Statt aus zwei Substantiven eins zu machen, können wir ein Substantiv auch mit einem Genitivattribut versehen:

Nun erntete sie die Früchte ihrer jahrelangen Arbeit.

oder:

Sie errichteten eine Mauer des Schweigens.

Hier werden die Substantive Früchte und Mauer außerhalb ihres üblichen Kontextes gebraucht.

Um eine Metapher zu bilden, können Sie auch ein Substantiv mit einem Verb aus einem anderen Bedeutungsbereich kombinieren:

Die Entscheidung wurde von allen begrüßt.

Natürlich stehen nicht alle auf und rufen: "Hallo, Entscheidung". Hier ist es das Verb, das in einen fremden Zusammenhang übertragen wird.

3. Worauf muss ich für eine gut funktionierende Metapher achten?

Ich hole jetzt nochmal den Trichter hervor, sorry, es muss sein: Mit einer alltäglichen Metapher werden Sie NIEMALS den Leser ​gewinnen! Die meisten der Beispiele, die ich bisher genannt habe, sind solche allzu bekannten und ​abgedroschenen Metaphern.

Das heißt nicht, dass Sie solche Sprachbilder nicht benutzen dürfen. Aber: Wenn Sie Ihre Leser aufwecken, kitzeln, emotional berühren wollen, dann müssen Sie frische, überraschende, möglichst selbstgemachte Bilder benutzen.

Vor einiger Zeit fragte ich mich, wie kann ich dem Leser die bedrückende Atmosphäre von Smog nahebringen? Ich überlegte: Welche Eigenschaften hat der Nebel? Was fühle ich in dieser Dunstglocke? Und so schrieb ich:

Es ist, als ob Dunstgespenster jedes Wort, jede Farbe verschlucken.

Die Frage, welche Eigenschaften hat die Sache, die ich ausdrücken will, ist eine enorme Hilfe beim Sammeln von Ideen. Probieren Sie es aus!

Machen wir noch ein Beispiel. Sie schreiben in Ihrem Blog zum Thema Unternehmenskommunikation und sitzen vor dem Satz:

Stellen Sie sich vor, der Vorgesetzte benutzt Ihnen gegenüber einen scharfen Ton.

„Scharfer Ton“ ist zwar eine Metapher, aber konventionell. Jeder liest drüber hinweg. Sie wollen ausdrücken, dass der Ton unangenehm ist. Jetzt fragen Sie sich: Welche Eigenschaften hat so ein Ton? Wie kann ich das auf die sinnliche Ebene übertragen, so dass der Leser etwas fühlt? Zum Beispiel so:

Stellen Sie sich vor, der Ton des Vorgesetzten Ihnen gegenüber ist eine ​Drahtbürste, die in Ihrem Gehörgang herumkratzt.

Dieses Bild wird der Leser so schnell nicht vergessen, das garantiere ich Ihnen!

4. Neue Farbe für die ergraute Metapher

Was Sie auch machen können, um dem Leser einen kleinen Stromstoß zu versetzen, ist, bekannte Metaphern erfrischend abzuwandeln. Das funktioniert besonders gut bei Redewendungen. So können Sie beispielsweise mit der Wendung jemand hat nicht mehr alle Tassen im Schrank spielen, wenn es um die Charakterisierung einer Person geht:

Er hat sich zwar sehr merkwürdig benommen, aber die Tassen in seinem Schrank sind alle noch vollzählig.

Genau wie eigene Bilder zu finden erfordert auch das Abwandeln von alten Wendungen ein wenig Gehirneinsatz, aber: Es lohnt sich! Denn Sie gewinnen den Leser.

Fazit:

Wir Menschen denken in Bildern. Nutzen Sie deshalb die bildhafte, metaphorische Sprache für Ihre Texte! Denn Sie wollen den Leser ja begeistern und mitreißen. Am besten schon zu Beginn eines Textes. Und am besten mit überraschenden, ungewöhnlichen Bildern.
TIPP: Lesen Sie viel! Legen Sie sich eine Sammlung inspirierender Metaphern an. Fällt Ihnen ein gutes Sprachbild auf – sofort notieren oder ablichten. So haben Sie bald eine schöne Grundlage für eigene Sprachbilder! Also – nur Mut und viel Spaß beim Ideen sammeln!

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Über den Autor Dr. Gabriele Frings

Als Schreibcoach, Dozentin und Autorin helfe ich Ihnen, einen professionellen Schreibstil zu entwickeln und so in Beruf und Business voranzukommen.

  • Stefan sagt:

    Ich sitze gerade an einer Präsentation und da kommen mir Ihre Tipps wie gerufen. Vielen Dank dafür, auch, wie Sie alles Schritt für Schritt erklären!

  • Lydia Schmitt sagt:

    Ich bin schon länger ein Fan Ihres Blogs. Toll, wie Sie auch hier wieder ein Stilmittel für gute Schriftsprache erklären. Freue mich schon auf den nächsten Beitrag. Beste Grüße!

    • Dr. Gabriele Frings sagt:

      Danke für Ihren wertschätzenden Kommentar. Der nächste Artikel wartet schon auf den Startschuss. 🙂
      Viele Grüße
      Dr. Gabriele Frings

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