Bringt Dynamik in Ihren Text: der Doppelpunkt

doppelpunkt

Haben Sie heute schon mit Doppelpunkt gesprochen? Ganz sicher haben Sie das. Denn bestimmt haben Sie heute schon zig verschiedene Tonfälle und Mienen an den Tag gelegt. In der Schriftsprache haben wir dafür die sieben Satzzeichen, um annähernd das zu vermitteln, was wir beim Sprechen wortlos mitteilen.

Einige der Satzzeichen sind zum Schreiber- und Leser-Glück wahre dramaturgische Könner, um Texte spannender zu gestalten! Und dazu gehört in jedem Fall der Doppelpunkt. Wann und wie Sie ihn anwenden, damit Ihr Text an Dynamik und Spannung gewinnt? Das erfahren Sie jetzt hier.

1. Der Doppelpunkt: macht die Aufzählung leicht erfassbar

Kurz vorweg: Warum bringt der Doppelpunkt so enorm viel Schwung in den Text?

  1. Der Doppelpunkt lenkt den Leser, lässt ihn kurz innehalten und sagt ihm: Achtung, jetzt kommt etwas Wichtiges für dich, etwas Spannendes! Beim Sprechen machen wir da eine kurze Pause.
  2. Er bietet dem Auge Abwechslung in der Buchstaben-Wüste, lässt es kurz zur Ruhe kommen.

Diese effektvollen Funktionen sollten Sie vor allem bei versteckten Aufzählungen im Text nutzen. Ein Beispiel: 

In der morgigen Mitarbeiterkonferenz werden die Neubesetzung des Finanzvorstandes, der geänderte Honorarvertrag, die neue Regelung für die Arbeitszeit der freien Mitarbeiter und die Jahres-Pressekonferenz besprochen.

Durch die lange Aufzählung in der Verbklammer, die durch das zweiteilige Verb „werden ... besprochen" entsteht, bleibt der Leser lange im Unklaren. Viel angenehmer ist's für ihn mit Doppelpunkt: 

In der morgigen Mitarbeiterkonferenz werden besprochen: die Neubesetzung des Finanzvorstandes, der geänderte Honorarvertrag, die neue Regelung für die Arbeitszeit der freien Mitarbeiter und die Jahres-Pressekonferenz.

Haben Sie's bemerkt? Der Doppelpunkt lässt Sie kurz innehalten, dann lesen Sie konzentriert weiter. 🙂

2. Der Doppelpunkt: knackiger als eine wortreiche Satzverbindung

1. beim dass-Satz

Sie sehen, dass Satzzeichen Ihren Text lebendig gestalten.

Sie sehen: Satzzeichen machen ihren Text lebendig.

Aha, auch hier halten Sie durch den Doppelpunkt kurz inne, denn er schiebt eine Ankündigungspause ein. So wird Ihre Aufmerksamkeit ganz auf den folgenden Satz gelenkt. 

Zwei längere Satzbeispiele:

Der enorme Vorteil dieser neuen Technik ist, dass durch den Systemaufbau und die flexiblen Komponenten ein Alarmierungsnetz errichtet werden kann, das mehr Funktionen bietet als bisher bekannte Systeme.

Puuh, ein schwerfälliger Satz, durch den sich der Leser und Kunde da kämpfen muss. Wir lassen den dass-Satz weg und ersetzen ihn durch den Doppelpunkt. So wird's sofort übersichtlicher:

Der enorme Vorteil dieser neuen Technik: Durch den Systemaufbau und die flexiblen Komponenten lässt sich ein Alarmierungsnetz errichten, das mehr Funktionen bietet als bisher bekannte Systeme.

Auch dieser Text ist holprig:

Hinzu kommt der demographische Faktor, der darin besteht, dass die Jobs heute den potentiellen Arbeitskräften hinterher ziehen, nicht mehr umgekehrt wie früher.

Mit Doppelpunkt flutscht es: 

Hinzu kommt der demographische Faktor: Die Jobs ziehen heute den potentiellen Arbeitskräften hinterher, nicht mehr umgekehrt wie früher.

2. bei Hauptwörtern wie Vorteil, Folge, Problem ...

Gerade bei solchen Wörtern wie Vorteil, Effekt, Grund, Folge, Problem, Gegenteil, das Wichtigste u. a. bietet sich oft der Doppelpunkt als dynamische Alternative zu einem dass-Satz an – wie in diesem Beispiel:

Der positive Effekt ist, dass sich auch kleine Unternehmen diese Art von Marketing leisten können.

Der positive Effekt: Auch kleine Unternehmen können sich diese Art von Marketing leisten.

3. bei aber, denn, dennoch, trotzdem, und ...

Wenn Sie nach solchen Konjunktionen und Adverbien eine Information anschließen, die Sie für wichtig halten und betonen möchten, dann bringt auch hier der Doppelpunkt ein Plus an Aufmerksamkeit: 

Der Streik ist zwar jetzt auf Pause gesetzt, aber: Die Verhandlungen werden solange fortgeführt, bis die Altersteilzeitmodelle von der Konzernleitung akzeptiert sind.

3. Der Doppelpunkt: vorteilhaft, wenn Sie eine Erklärung oder Begründung liefern 

Der Sitzungsaal war hergerichtet, doch es gab noch viel zu tun: Zuerst mussten die Protokolle auf die Tische verteilt werden. Dabei war darauf zu achten, dass ...

Auch hier bemerken Sie sicherlich einen Unterschied im Lesefluss, wenn der erste Satz „nur" mit einem Punkt abschließt: 

Der Sitzungsaal war hergerichtet, doch es gab noch viel zu tun. Zuerst mussten die Protokolle auf die Tische verteilt werden. Dabei war darauf zu achten, dass ...

Das kurze Verharren beim Doppelpunkt bringt immer ein Mehr an Beachtung. Und die ersehnt man ja vor allem bei Marketing-Texten. Zwei Beispiele:

So kommen auch neue Zielgruppen aufs Wasser: Während das Schwesternschiff mit Familienkabinen aufwartet, stellt das Mutterschiff Studios für Alleinreisende bereit.
(Viel holpriger zu lesen wäre solch eine Version: So kommen auch neue Zielgruppen aufs Wasser. Der Grund liegt darin, dass das Schwesternschiff ...)

Auch das zweite Tool ist sein Geld wert: Mit diesem Programm können Sie sowohl schneller ein Ranking erstellen als auch ...
(Langweiliger wäre diese Version: Auch das zweite Tool ist sein Geld wert. Denn mit diesem Programm können Sie ...)

Nun noch ein Beispiel für einen höchst kreativen, erfrischenden Einsatz des Doppel­punkts; es stammt aus einem Bericht über einen Arbeitsstreik: 

Die Mienen der Anwesenden: betreten. Die Stimmung: trotzig bis kämpferisch.

Hier hat der Schreiber einfach die Verben „war/en" weggelassen und sie durch den Doppelpunkt ersetzt. Und schon ist Dynamik im Text! Wie lahm wirkt dagegen die gleiche Mitteilung in Form von normalen Sätzen:

Die Mienen der Anwesenden waren betreten und die Stimmung war trotzig bis kämpferisch.

FAZIT: Trauen Sie sich also ruhig, den Doppelpunkt kreativ zu nutzen! Aber ACHTUNG: Setzen Sie ihn nicht inflationär ein, denn dann verpufft seine Spannung erzeugende Wirkung. Erst recht, wenn Sie ihn zweimal im Satz verwenden: Damit signalisierte der Satz: Ich habe genug vom Doppelpunkt und daraus folgte: Er wurde schlapp. 🙂

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Über die Autorin Dr. Gabriele Frings

Als Schreibcoachin, Trainerin, Textberaterin, Dozentin helfe ich Ihnen, einen professionellen Schreibstil zu entwickeln und in Beruf und Business erfolgreich zu sein.

  • Andrea sagt:

    Liebe Fr. Dr. Frings, vielen Dank für diesen Artikel. Mein Herz hüpft geradezu. Ich liebe den Doppelpunkt schon länger. Nach Ihren Ausführungen noch mehr! Jetzt kann ich damit argumentieren.

    • Dr. Gabriele Frings sagt:

      Hallo Andrea,

      das ist großartig! Da freue ich mich. Weiterhin viel kreative Freude beim Einsetzen des Doppelpunkts!

      Herzliche Grüße

      Dr. Gabriele Frings

  • Marion sagt:

    Liebe Frau Dr. Frings,
    ich bin heute zufällig auf Ihren Blog gestoßen. Da ich gerade an einem Projektbericht arbeite, kommen mir Ihre tollen Tipps zum Doppelpunkt wie gerufen. Ich habe ihn schon an einigen Stellen im Text gesetzt- so klingt der Bericht gleich viel spannender, genau wie Sie schreiben. Vielen Dank dafür!

    • Dr. Gabriele Frings sagt:

      Hallo Marion,
      gern geschehen. Es freut mich, dass meine Tipps für Sie so hilfreich sind.
      Weiterhin erfolgreiches Texten wünscht Ihnen
      Dr. Gabriele Frings

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