Achtung, diese kleinen Wörtchen verderben Ihren Text!

präpositionen

Verständlich schreiben – das stand auf der Will-ich-unbedingt-verbessern-Liste der Teilnehmer meines letzten Kurses wieder ganz oben. Und das ist richtig so. Denn wir wollen ja, dass die Mitmenschen unsere mit Fleiß und Schweiß formulierten Gedanken verstehen. Oder?

Aber mal zwischen den Zeilen gesprochen – wie oft schreiben wir schnell eine E-Mail oder eine Intranet-Mitteilung und machen uns null Gedanken darüber, ob der Leser das Produkt unserer Gehirnwindungen auch wirklich versteht. Denn WIR wissen ja, worum es geht, deshalb konzentrieren wir uns schnell nur auf den Inhalt und lassen das Thema Verständlich schreiben in der linken Gehirnhälfte zurück. Und da spielen uns gerade bestimmte unscheinbare Wörtchen einen gehörigen Streich. Diese Wörtchen benutzen auch Sie. Welche ich meine? Schauen Sie hier.

1. Das Wörtchen „zu“

Zur regelmäßigen Weiterentwicklung unserer Mitarbeiter auf der Basis der Ergebnisse interner Befragungen gehören Fortbildungsmaßnahmen und Personal-Coaching.

Brrr, mich fröstelt's hier gewaltig. Sie auch? Der Satz strahlt so viel Kälte und Distanziertheit aus wie Mr. Spock auf der Enterprise in seinen besten Tagen. Woran liegt das? Am Wörtchen „zu“ und an der holprigen Hauptwortkonstruktion, die es IMMER nach sich zieht. Das kleine Wort gehört zur Gruppe der Präpositionen und die befördern zwangsläufig den Hauptwortstil (Nominalstil), auch treffend „Behördendeutsch“ genannt. Und der – Sie kennen es selbst – schreckt den Leser gewaltig ab. 

Wir bauen deshalb nun aus der steifen Hauptwort-Phrase „zur regelmäßigen Weiterentwicklung unserer Mitarbeiter auf Basis der Ergebnisse interner Befragungen“ einen Nebensatz mit der Konjunktion damit und mit dem Verb weiterentwickeln. Dann sieht der Text schon nicht mehr nach Druck-Erzeugnis vom Finanzamt aus: 

Damit unsere Mitarbeiter sich weiterentwickeln können, bieten wir auf der Basis interner Befragungen regelmäßig Fortbildungsmaßnahmen und Personal-Coaching an. 

Fassen wir zusammen: Wir haben eine passende Nebensatz-Konjunktion genommen, mit der der Nebensatz eingeleitet wird, und wir haben aus dem „-ung“-Hauptwort (sog. Verbalsubstantiv) das dynamische Verb herausgeholt: Weiterentwicklung --> weiterentwickeln.

Diesen Kniff finden Sie klasse? Denn Sie wollen Ihrem Leser keine hölzernen Amtsdeutsch-Phrasen hinknallen, sondern geschmeidige Sätze anbieten, die er gerne liest? Dann werden wir diesen Kniff flugs an den folgenden Beispielen weiter trainieren. 🙂 

2. Das Wörtchen „durch“

Durch die Zusammenstellung historischer Zitate wird vom Autor ein Gefühl von bedrängender Gegenwart erzeugt.

Hier haben wir zwei Formulierungsschwächen im Doppelkeks-Pack – wenig schmackhaft für den Leser. Einmal die Präposition durch und dann das Passiv „wird vom Autor ... erzeugt“. Daraus machen wir das Subjekt „der Autor“. So, und dann kommt wieder unser Kniff: Man nehme die Nebensatz-Konjunktion indem und das Verb zusammenstellen – und diese delikate Leser-Speise kommt dabei heraus:

Indem der Autor historische Zitate zusammenstellt, erzeugt er ein Gefühl von bedrängender Gegenwart.

3. Das Wörtchen „aufgrund“

In meinen Schreibseminaren ist es immer eine spannende Frage: Wann taucht sie auf? DASS die Präposition aufgrund auftaucht, ist sicher. Und mit ihr der hölzerne Nominalstil, wie wir es bei zu und durch gesehen haben. 

Aufgrund der Streichung der Zuschüsse zum Jobticket seitens der Kommunalverwaltung sind die Mitarbeiter wieder mehr auf das Auto angewiesen.

So, jetzt sind Sie dran. Was machen wir, um die Holperdiestolper-Hauptwort-Phrase „aufgrund der Streichung der Zuschüsse zum Jobticket seitens der Kommunalverwaltung“ aus dem Weg zu räumen? 

Richtig! Wir holen uns das Verb streichen und die Nebensatz-Konjunktion weil und ... super, gut hingeschaut: Und wir benutzen statt der Passiv-Konstruktion „seitens der Kommunalverwaltung“ „die K.-Verwaltung“ als Subjekt. Und los geht's mit der gründlichen Renovierung des Textes:

Weil die Kommunalverwaltung die Zuschüsse zum Jobticket gestrichen hat, sind die Mitarbeiter wieder mehr auf das Auto angewiesen.

Nun strahlt der Text – und der Leser gleich mit. 🙂

FAZIT​

Vorsicht also, wenn Ihnen diese Wörtchen zwischen die Tasten rutschen:
                                                 zu, durch, aufgrund
Notbremse ziehen! Und prüfen, ob Sie zusammen mit einem von diesen Wörtchen gar ein „-ung“-Hauptwort benutzt haben. Dann diesmal die Aufforderung „Wenn möglich, bitte wenden!“ nicht ignorieren, sondern:
die passende Nebensatz-Konjunktion wählen, das Hauptwort in ein Verb verwandeln und einen Nebensatz formen. Voilà!
So erhalten Sie geschmeidige Sätze. Und erreichen Ihr Ziel, dass der Leser gerne Ihre Texte liest. 

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Über die Autorin Dr. Gabriele Frings

Als Schreibcoachin, Trainerin, Textberaterin, Dozentin helfe ich Ihnen, einen professionellen Schreibstil zu entwickeln und in Beruf und Business erfolgreich zu sein.

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