Zwei geniale Anti-Schachtelsatz-Regeln für knackige Sätze!

schachtelsatz

Wann war Ihnen zuletzt schwindlig? Beim zu schnellen Aufstehen? Nach einem Tag ohne Essenspause? Als die Schwiegermutter ihren Besuch für den selben Nachmittag ankündigte? Jedenfalls kein angenehmes Gefühl. So geht’s auch dem Leser und Kunden, wenn ihm ein Schachtelsatz unter die Augen kommt. 

Und: Ein einziger Schachtelsatz genügt – und es ist aus mit dem Weiterlesen des Interessenten und Kunden.

Sie wollen den Kreislauf des Lesers aufrechterhalten? Dann erfrischen Sie ihn mit knackigen, leicht verständlichen Sätzen! Wie genau das geht, das lesen Sie hier.

1. Schachtelsatz ade – keine Hauptinformationen in Nebensätzen unterbringen!

Zugegeben, in der Literatur können lange Satzgefüge (Hauptsatz mit mehreren eingeschobenen Nebensätzen = Hypotaxen) ein wahrer Genuss sein (echte Meister der Hypotaxe sind etwa Heinrich von Kleist und Thomas Mann). Aber in Business-Texten sind sie ein zuverlässiges Mittel, den Internet gewohnten Leser abzuschrecken. In tägliche Gebrauchs- und Marketing-Texte gehören deshalb kurze, informative Sätze.

Die ZWEI WICHTIGSTEN REGELN dazu: 

  1. Nicht zu viele Informationen in einen Satz stopfen – pro Satz ein Gedanke, eine Information. 
  2. Arbeiten Sie mit Hauptsätzen, benutzen Sie möglichst wenige Nebensätze. Für jede wichtige Information ein eigener Satz!

Ein Beispiel:

Nachdem das ganze vergangene Jahr für die Kollegen und Kolleginnen ein einziger Kampf, einerseits um Offenhaltung des vielfältigen Angebots, andererseits um den Bestand des Beschäftigungsangebots gewesen ist, sieht die Leitung sich mit deutlichen Klagen konfrontiert.

Zunächst bringt der Schreiber einen kilometerlangen Nebensatz mit "nachdem", bevor er ganz am Schluss erst den Hauptsatz anfügt. Menschenskind! möchte man ihm da zurufen, da ist der Leser doch längst blau angelaufen! Und: Die Informationen am Anfang sind viel zu wichtig, als dass sie in einen Nebensatz gehörten ("der ganzjährige Kampf der Kollegen und Kolleginnen um ..."). Wir bauen den Nebensatz deshalb zu einem Hauptsatz um:

Das ganze vergangene Jahr war für die Kollegen und Kolleginnen ein einziger Kampf um die Offenhaltung des vielfältigen Kurs-Angebots und um den Bestand des Beschäftigungsangebots. Nun sieht sich die Leitung mit deutlichen Klagen konfrontiert.

Wir können den Text sogar zu einem echten Gourmet-Happen für den Leser machen, indem wir die Hauptwörter "Offenhaltung" und "Bestand" in flüssigere Verben umwandeln:

Das ganze vergangene Jahr war für die Kollegen und Kolleginnen ein einziger Kampf darum,  das vielfältige Kurs-Angebot offenzuhalten und den Bestand des Beschäftigungsangebots zu sichern. Nun sieht sich die Leitung mit deutlichen Klagen konfrontiert.

Bon Appétit!

Merke: Achten Sie auf Ihre Nebensätze! Enthalten sie eine wichtige Information, dann formen Sie einen separaten Hauptsatz. 

2. Schachtelsatz ade – bauen Sie Hauptsätze ohne Hängebäuche! 

Die Spitze der Stolper-Sätze erreichen Sätze mit hässlichen Hängebäuchen, also mit mehreren eingeschobenen Nebensätzen. 

VORSICHT! heißt es vor allem dann, wenn Sie dabei sind, in den ersten eingeschobenen Nebensatz (Nebensatz 1. Grades = bezieht sich auf den Hauptsatz) einen weiteren Nebensatz (Nebensatz 2. Grades = bezieht sich auf einen Nebensatz) einzufügen. Dann haben Sie einen echten Schachtelsatz vor sich – holprig, schwer verdaulich, kurz: zum Umblättern und Wegklicken. 

Hier ein Textbeispiel:

Auch für Personen, die über Eigenkapital verfügen, das sie aber nicht komplett in die Baufinanzierung stecken wollen, um finanziellen Spielraum für Urlaub und Konsumwünsche zu haben, ist eine Vollfinanzierung sinnvoll.

Hier verliert der Leser zuverlässig die Orientierung. Wir halten zuerst wieder den Hauptsatz fest: Auch für Personen … ist eine Vollfinanzierung sinnvoll. Aha. In den Hauptsatz eingeschoben ist nun der Nebensatz die über Eigenkapital verfügen (Neben­satz 1. Grades). An diesen hat der Schreiber zwei (!) weitere Nebensätze angehängt – schauderhaft! Auf diese Weise kommt ein Bandwurm von 23 Wörtern innerhalb des Hauptsatzes zustande (wie Sie Bandwurmsätze verhindern, lesen Sie hier). So – wir dagegen lassen den Hauptsatz zusammen und hängen die Neben­sätze hinten an:

Die Vollfinanzierung ist auch für jene Personen sinnvoll, die über Eigenkapital verfügen, dieses aber nicht komplett in die Baufinanzierung stecken wollen, um finanziellen Spielraum für Urlaub und Konsumwünsche zu haben.

 Merke: Verzichten Sie unbedingt auf Nebensätze 2. Grades, die sich auf einen schon vorhandenen Nebensatz beziehen!

Wenn Sie ab und zu einen Nebensatz in den Hauptsatz einfügen, ist dagegen natürlich nichts einzuwenden. Vor allem dann nicht, wenn der Nebensatz kurz (!) ist, so wie hier:

Eine Regierung, die den Artenschutz ernst nimmt, müsste sich mit denen anle­gen, die neue Autobahnen, Flughäfen, Industriegebiete wollen.

Fazit:

Knackige, flüssig lesbare Sätze sind das A und O für Ihre Business-Texte, die gelesen werden sollen! Denken Sie bei jeder Berührung der Buchstabentasten an die zwei reingoldenen Regeln: 

  1. Pro Satz ein Gedanke.
  2. Hauptsätze bevorzugen, wenige Nebensätze benutzen.

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Über den Autor Dr. Gabriele Frings

Als Schreibcoach, Dozentin und Autorin helfe ich Ihnen, einen professionellen Schreibstil zu entwickeln und so in Beruf und Business voranzukommen.

  • Erika Neidhardt sagt:

    Liebe Frau Dr. Frings,
    haben Sie vielen Dank auch wieder für diesen hilfreichen Artikel. Als eifrige Leserin Ihres Newsletters lerne ich jedes Mal von Ihnen dazu.
    Freundliche Grüße
    Erika Neidhardt

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