Vorsicht Doppelverben-Falle! So schreiben Sie trotzdem gute Texte.

doppelverben

Gute Texte schreiben sich nicht einfach so, das wissen Sie als Leser meines Blogs natürlich schon. Deshalb wollen Sie bei Grammatik und Rechtschreibung kein Risiko eingehen. Richtig so. Und bei Unsicherheiten haben Sie sich bislang lieber einmal mehr an Tante Google gewendet. Moment – oder „gewandt“? Und Sie sagten sich anschließend: Mensch, in der Zeit, die diese Recherche gekostet hat, hätte ich ja noch mindestens einen weiteren Absatz geschafft – ähem, oder: „geschaffen“?

Tja, die Doppelverben der deutschen Sprache sind wie gut getarnte Fallstricke – selbst für erfahrene Schreiber! Deswegen setzen wir nun eine ultrascharfe Schere an, um diese Stricke zu beseitigen. Ein schlichter Verbfehler kann nämlich den ganzen Text verderben! 

Geschleift oder geschliffen, gehängt oder gehangen, erschreckt oder erschrocken – nach der Lektüre dieses Artikels werden Sie in Zukunft ganz unerschrocken einwandfreie Texte schreiben! 🙂

1. bewegen – bewegen

Der Arzt bewegte den Arm des Patienten.
Ihr Text hat das Publikum sehr bewegt.
Hier haben wir das regelmäßig gebeugte Verb:
bewegen – bewegte – bewegt

In der Bedeutung „bewirken, dass jemand etwas macht/jemanden zu einem Entschluss bringen“ wird das Verb unregelmäßig gebeugt:
bewegen – bewog – bewogen
Die Mahnung bewog ihn zur Vorsicht.
Was hat sie wohl  bewogen, ihr Studium abzubrechen?

2. erschrecken – erschrecken

Hier gibt es eine transitive und eine intransitive Variante.

Das transitive Verb (= Verb mit Akkusativobjekt, Passivbildung ist möglich) hat die Bedeutung von „jemanden in Schrecken versetzen“ und ist regelmäßig:
erschrecken – erschreckte – (hat) erschreckt
Der Knall erschreckte die Zuschauer.
Diese Nachricht hatte alle im Haus erschreckt.

Jetzt kommt eine Regel zum Lockerwerden: Beim reflexiven Verb sich erschrecken, das wir häufig benutzen, ist nämlich beides richtig, die regelmäßige u n d die unregelmäßige Beugung:
Ich erschreckte mich / erschrak furchtbar.
Heute Morgen hat er sich tatsächlich erschreckt / hat er sich tatsächlich erschrocken.

Das intransitive Verb (also ohne Objekt) dagegen ist in jedem Fall unregelmäßig und hat das Hilfsverb sein:
erschrecken – erschrak – (ist) erschrocken
Die beiden Männer erschraken sehr.
Beim Anblick des Hundes ist sie erschrocken.
Und im Präsens heißt es:
Sie erschrickt immer sehr leicht. Oder in der oben genannten reflexiven Form mit „sich“:
Sie erschreckt sich immer sehr leicht.
Falsch jedoch ist: Sie erschreckt immer sehr leicht. 🙁

3. hängen – hängen

Ich hängte das Bild an die Wand.
Sie hat die Wäsche aufgehängt.
Das ist das regelmäßige Verb, das eine Aktion ausdrückt:
hängen – hängte – gehängt

Das Positionsverb dagegen wird unregelmäßig gebeugt:
hängen – hing – gehangen
Das Bild hing gestern noch an der Wand.
Das Kind hat sehr an der Großmutter gehangen.

Diese beiden Verben werden übrigens seeehr häufig verwechselt. Achten Sie im Alltag einmal darauf!

„Hilfe, mein Goldfisch hat sich aufgehangen!“ – „So'n Quatsch!“ – Stimmt. Es muss „aufgehängt“ heißen. 😉

Click to Tweet

4. saugen – saugen

In der Bedeutung von „trinken, aufnehmen" wird das Verb nach wie vor unregelmäßig gebeugt:
saugen – sog – gesogen
Gierig sogen wir nach der dreistündigen Sitzung die frische Luft ein.
Der Schwamm hat sich voll Wasser gesogen.

Das neuere Verb saugen im technischen Sinne ist dagegen regelmäßig:
saugen – saugte – gesaugt
Er saugte gerade das Wohnzimmer.
Der neue Laubsauger hat das Laub gründlich aufgesaugt.

5. schaffen – schaffen

Schaffen im Sinne von „erledigen, zustande bringen, Erfolg haben" wird regelmäßig gebeugt:
schaffen – schaffte – geschafft
Sie schaffte es, den Rekord zu brechen.
In kurzer Zeit haben Sie einen weiteren Textabsatz geschafft.

Aber: in der Bedeutung von „schöpferisch tätig sein, hervorbringen" ist das Verb unregelmäßig:
schaffen – schuf – geschaffen
Als Komponist schuf er großartige Musikstücke.
Sie haben bislang gute Texte geschaffen.
Und werden nun glänzende Texte schaffen. 🙂 Auch das gibt's: Hier changiert das Verb zwischen beiden Bedeutungen.

6. schleifen – schleifen

Ja, der besagte Diamant wird geschliffen, ebenso die Schere. Schleifen in der Bedeutung von „glätten, schärfen“ ist ein unregelmäßiges Verb:
schleifen – schliff – geschliffen
Er schliff das Messer rasierklingenscharf.
Der Stein wird mehrfach geschliffen.

Die andere Bedeutung ist „niederreißen, einebnen“ und dieses Verb ist regelmäßig:
schleifen – schleifte – geschleift
Die Barbaren schleiften die Festung.
Die Burg wurde bis auf die Grundmauern geschleift.
Auch das Verb in der Bedeutung „über den Boden/eine Fläche ziehen" ist regelmäßig:
Sie schleifte die Puppe hinter sich her.

7. senden – senden

Das traditionelle Verb senden als „zuschicken" ist unregelmäßig:
senden – sandte – gesandt
Der Vorsitzende sandte seinen Stellvertreter.
Gestern hat er endlich die Mail an den Chef gesandt.

Auch hier gibt es ein neueres Verb im Sinne von „ ausstrahlen", das regelmäßig gebeugt wird:
senden – sendete – gesendet
Die ARD sendete einen ausführlichen Bericht darüber.
Er hatte schnell noch einen Funkspruch gesendet.

8. wenden – wenden

Auch eine allerorts anzutreffende Fehlerquelle! Von diesem Verb gibt es eine transitive Version mit Akkusativ-Objekt und eine reflexive Variante mit „sich“.

Das transitive Verb wird regelmäßig gebeugt:
wenden – wendete – gewendet
Trotz der engen Straße wendete er den Wagen.
Sie hatte den Blick längst abgewendet.
Das Unternehmen hat nun die neue Strategie angewendet. 

Das reflexive Verb sich wenden (auch: sich abwenden) hingegen ist unregelmäßig:
wenden – wandte – gewandt
Viele Bürger wandten sich an den Petitionsausschuss.
Sie hat sich hilfesuchend an den Thesaurus gewandt.
Er hatte sich von ihr abgewandt.

Fazit

Ich sehe, dass Sie Ihren Anspruch an einen guten Schreibstil beibehalten. Das ist großartig! Achten Sie auch in Zukunft auf diese „beliebte" Fehlerquelle der deutschen Sprache.
Sie können nun diesen Blogartikel aufhängen, aufkleben, auswendig lernen oder was Ihnen Ihre Fantasie sonst noch eingibt. Und: Schreiben Sie weiterhin einwandfreieTexte! 🙂

Keinen exklusiven Schreibtipp mehr verpassen?  

Tragen Sie sich hier für meinen kostenlosen Newsletter ein und laden sich direkt den gratis Schreib-Ratgeber „Einfach wissen, worauf es beim Texten ankommt" herunter! 

Sie können sich vom Newsletter jederzeit mit einem Klick abmelden. Mit Ihrer Anmeldung akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung dieser Webseite. Meine E-Mails enthalten neben zahlreichen kostenlosen Tipps und Inhalten ab und zu auch Informationen zu meinen Produkten, Angeboten und Aktionen. Den gratis Schreib-Ratgeber "Einfach wissen, worauf es beim Texten ankommt" erhalten Sie auch ohne Anmeldung. Schreiben Sie mir dazu einfach eine E-Mail.

Sie wollen mit Ihrem Web-Text auf Nummer sicher gehen, damit er Leser anzieht und Kunden bindet?  
Mit meinem 1:1-Textcoaching unterstütze ich Sie gerne. Mehr über meine Leistungen erfahren Sie
hier.

Über die Autorin Dr. Gabriele Frings

Als Schreibcoachin, Trainerin, Textberaterin, Dozentin helfe ich Ihnen, einen professionellen Schreibstil zu entwickeln und in Beruf und Business erfolgreich zu sein.

  • Liebe Frau Dr. Frings,
    da sind ein paar Zwillinge dabei, über die ich auch manches Mal gestolpert bin … jetzt (hoffentlich) nicht mehr.

    Ein weiteres Pärchen habe ich noch: weben – weben
    Diese Verben haben auch zwei Bedeutungen und zwei Formen:
    Ich webte einen Stoff und wob dabei Geschichten.

    • Dr. Gabriele Frings sagt:

      Hallo Herr Sassland,
      vielen Dank für Ihren Kommentar und das weitere Verben-Paar. Für manchen Nicht-Muttersprachler muss die deutsche Sprache wegen Ihrer vielen Eigenheiten wohl sagenumwoben vorkommen … 😉
      Viele Grüße
      Dr. Gabriele Frings

  • >