Sätzanfänge variieren – aber bitte richtig!

satzanfänge

​​„Das Publikum nahm die Plätze ein. Herr Müller, der Leiter der Abteilung, machte den Anfang. Der Verkaufsleiter Herr Schulz folgte als nächster ...". Und als nächstes – folgte ein Gähnen des Lesers. Solch ein Text langweilt schon nach kürzester Zeit. Warum? Weil die Satzanfänge immer gleich sind: Jeder Satz beginnt mit dem Subjekt und hält die immer gleiche Reihenfolge Subjekt – Verb – Objekt ein.​ Schon eine kleine Abwandlung dieses ​Satzbaumodells ​hält den Leser davon ab, auf die Rutschbahn in den Schnarchmodus zu ​geraten:Das Publikum nahm die Plätze ein. Den Anfang machte Herr Müller, der Leiter der Abteilung. Als nächster folgte Herr Schulz, der Verkaufsleiter.​"

Doch Achtung! Satzanfänge zu variieren heißt mitunter auch, dem Leser einen fiesen Stolperstein in den Weg zu legen. Welche Fallen da auf Sie als Schreiber lauern, wie Sie diese umgehen und wie Sie Ihren Satzanfang dynamisch gestalten – das alles erfahren Sie nun hier im Beitrag.

1.  Satzanfänge variieren – bringt Dynamik in den Text

Der Klimawandel schreitet voran. Die Politik muss deshalb entschlossener handeln. Die Modelle der Klimaökonomik liefern mittlerweile gute Argumente für Eingriffe der Regierungen.

Auch dieses Beispiel zeigt: Nichts langweilt uns beim Lesen schneller als die Abfolge von Sätzen, die mit  Der – Die – Das – Die – Sie – Er ... , also mit dem Subjekt, beginnen. Die einfachste Art, die Satzanfänge zu variieren, ist, mit einer Umstandsangabe (der Zeit, des Ortes, der Modalität etc.) zu beginnen oder mit einem Adverb (deshalb, folglich ...) einzusteigen. Beim Beispieltext oben sieht das so aus:

​Der Klimawandel schreitet voran. Deshalb muss die Politik ​entschlossener handeln. Mittlerweile liefern die Modelle ​der Klimaökonomik ​gute Argumente für Eingriffe der Regierungen.

Von der einzigartigen Möglichkeit des Deutschen, einen beliebigen Satzteil an den Anfang zu setzen, sollten Sie regen Gebrauch machen. Satzanfänge zu variieren bringt Dynamik und Lebendigkeit in den Text. Und Sie können damit außerdem einen Umstand oder ein Objekt besonders betonen. Doch Vorsicht! Gerade beim Objekt am Satzanfang lauert ein menhirgroßer Stolperstein für den Leser, wie Sie im nächsten Abschnitt sehen werden.

2. Satzanfänge variieren – heikel bei einem Objekt 

​Erst gestern las ich in der Tageszeitung: „Das Land verklagte der Mann ..." – hä, dachte ich im ersten Moment, da stimmt doch was nicht, nämlich ... und dann las ich im folgenden Nebensatz: „... weil er sich dort zu Unrecht festgehalten sah“. Aha, erst im Nebensatz wird deutlich, dass „das Land“ das Objekt (Akkusativ) ist und der Mann das Subjekt (Nominativ), der Mann also das Land verklagt. Solch ein Hemmschuh entsteht vor allem dann, wenn Subjekt und Objekt beide im gleichen Numerus (Einzahl/Mehrzahl) stehen, sodass sich das Verb auf beide Satzteile beziehen kann. Dazu ein weiteres Beispiel:

​​​​Schlangen haben Menschen bestimmt nie übersehen, und das hat nicht nur mit ​ihrem Gift zu tun.

Auch hier ist der Lesefluss gestört. Der Leser wird unweigerlich einen Moment stutzen: Wer hat jetzt wen nie übersehen? So dagegen bewegt sich der Leser behände wie eine Ringelnatter durch den Satz:

Menschen haben Schlangen bestimmt nie übersehen, und das hat nicht nur mit ​deren Gift zu tun. (Wer es noch klarer haben will, setzt das Subjekt in die Einzahl: Der Mensch hat Schlangen bestimmt nie übersehen ...)

​Auch ​der folgende Satz lässt den ​Leser stolpern, wenn er ​liest:

Schneider und Mayer hat trotz aller Bedenken ​zweifellos das Bitcoin-Fieber ergriffen.​

Das Objekt am Satzanfang stiftet wieder Verwirrung. Bei „hat“ denken wir spontan: Das ist ein Grammatikfehler, es muss „haben" heißen. Dann erst merken wir:  „Schneider und Mayer“ ist gar nicht das Subjekt! Klarer wird der Satz, wenn wir das Subjekt vor das Objekt setzen:

​​​​Zweifellos hat das Bitcoin-Fieber ​Schneider und Mayer ​trotz aller Bedenken ergriffen.

3. Satzanfänge variieren – ökonomisch, aber gefährlich bei trotz, wegen, aufgrund, durch, bei ...

Vorsicht ist auch geboten, wenn wir Sätze mit Wörtern wie trotz, wegen, bei, zu, durch u.a. beginnen. Denn solche Präpositionen am Satzanfang ziehen immer eine Hauptwort-Konstruktion nach sich – und schwupps! geraten wir in den abschreckenden Hauptwörterstil (Nominalstil). Wenn die Hauptwortphrase kurz ist, können wir Sie zur Satz-Party willkommen heißen. Aber auch nur dann! So wie in diesem Beispiel:

Trotz des Einsatzes von Robotik wird die Qualität der Arbeit verbessert.

Hier ist die nominale Formulierung eine ökonomische Lösung, da der Autor so einen Nebensatz und eine Wiederholung von „wird“ spart (Obwohl Robotik eingesetzt wird, wird die Qualität der Arbeit verbessert.)

Im folgenden Text jedoch muss der Satz-Party-Stildienst ganz schnell tätig werden, denn die hässliche Aneinanderreihung von Hauptwörtern à la Behördendeutsch schreckt den Leser gewaltig ab:

​Bei einer möglichen Herauslösung der Projekte aus der Zweckgesellschaft und einer Überführung in die operativen Unternehmensbereiche drohen Haftungs­risiken.

​Wenn der Autor hier den Leser einladen will, kommt er um Nebensätze nicht herum. ​Und die sollten nach dem Hauptsatz ​stehen, zum Beispiel so:

Es drohen Haftungsrisiken, wenn man die Projekte aus der Zweckgesellschaft herauslöst und in die operativen Unternehmensbereiche überführt.


​Fazit:

Satzanfänge mit Abwechslung machen den Text dynamischer und erfreuen den Leser. Achten Sie aber auf zwei Dinge:

  • ​Wenn Sie ein Objekt an den Satzanfang setzen, entsteht schnell ein Stolperstein für den Leser. Schauen Sie auf das Verb und prüfen Sie, ob die Aussage eindeutig ist! ​
  •  Bei Wörtern wie trotz, durch, wegen, bei ... am Satzanfang kommt es schnell ​zur hässlichen Aneinanderreihung von Hauptwörtern (sog. Behördendeutsch oder Nominalstil). Benutzen Sie dann lieber Nebensätze.

Übrigens 1: Eine Liste mit allerlei Satzanfängen, nach Funktionen geordnet, finden Sie im studiblog.net.

Übrigens 2: Wie Sie den Hauptwörterstil zuverlässig vermeiden, dem Schachtelsatz ein Schnippchen schlagen, dazu lässt sich noch so Einiges sagen. Die besten Tipps, Tricks und Kniffe finden Sie ...? Genau, in meinen Inhouse-Seminaren und Online-Kursen. Die Kurse biete ich pro Jahr in ausgewählten Zeiträumen an. Wie Sie an die Infos kommen? Mit meinem Newsletter – kostet nix, bringt aber enorm viel. 🙂

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Über die Autorin Dr. Gabriele Frings

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