Flüssig formulieren, gezielt schreiben: ein Gedanke – ein Satz!

flüssig formulieren

Flüssig formulieren? Aber ja, mit dieser goldenen Regel: Ein Gedanke – ein Satz. Oder: Eine Information – ein Satz. Oder: Eine Handlung – ein Satz. Denn: Der Leser möchte Ihre Informationen nacheinander und in appetitlichen Häppchen serviert bekommt. Schwere Satzbrocken dagegen sind für ihn ​schwer verdauliche Kost. Und Sie wollen Ihrem Leser und Kunden doch Gutes tun, richtig? Nein, ich meine nicht mit einem nachgereichten Gläschen Schnaps, sondern mit dem Beherzigen ​dieser einfachen Regel: Ein Gedanke – ein Satz. 

Sie meinen: Oh, hört sich gut an, aber wie geht das nun ganz konkret​ bei meinem täglichen Schreiben​? Genau das zeige ich Ihnen nun.

1. ​Flüssig formulieren – Ein Gedanke, ein Satz oder: Aus eins mach zwei

Schauen wir uns ​dieses Beispiel an:

Außerdem werden dort Reinigungsanlagen für die metallverarbeitende Industrie gefertigt, die deutlich weniger Energie als viele ähnliche Anlagen am Markt verbrauchen und so dabei helfen, Ressourcen zu schonen. 

Hier sind zwei Hauptinformationen in einen einzigen Satz gepackt. Viel leichter aufzunehmen sind diese Informationen für den Leser, wenn er sie in zwei getrennten Sätzen gereicht bekommt. Deshalb setzen wir nach dem ersten Gedanken einen Punkt und schließen den zweiten mit einem eigenen Satz an:

Außerdem werden dort Reinigungsanlagen für die metallverarbeitende Industrie gefertigt. Sie verbrauchen deutlich weniger Energie als viele ähnliche Anlagen am Markt und helfen so dabei, Ressourcen zu schonen. 

Ein weiteres Beispiel (holen Sie tief Luft!):

Selbst das schwedische Künstlerpaar Carl und Karin Larsson, dessen Bildband „Das Haus in der Sonne" auch in Deutschland ein Bestseller wurde und den als typisch nordisch berühmt gewordenen Einrichtungsstil geprägt hat, kam in seinem Vorzeige-Interieur im Dörfchen Sundborn ganz ohne Oberflächen aus gefärbtem Kiefernholz aus. 

Verständlichkeit? Die liegt erschlagen unter dem dicken schwedischen Wälzer. Zu viele Gedanken und Informationen sind in einen einzigen Satz gestopft. Flüssig formulieren geht anders. Besonders schlimm: Im eingeschobenen Nebensatz „dessen Bildband ..." sind Hauptinformationen verbuddelt, die ​der arme Leser ​mühselig ausgraben muss. Deshalb: Wichtige Informationen gehören in einen neuen Hauptsatz. Nur so kann der Leser sie als wichtig erkennen. 

Wir schauen nun, was wir von der Verständlichkeit des Beispielsatzes noch retten können (er schwedische Bildband jedoch ist im Eimer. 🙁  ). Und wie wir flüssig formulieren. Dazu geben wir den beiden Hauptinformationen wieder einen eigenen Satz: 1. das schwedische Künstlerpaar prägte einen Einrichtungsstil;  2. es hatte in seinem Haus ungefärbtes Kiefernholz. Dann sieht es so aus:

​Das schwedische Künstlerpaar Carl und Karin Larsson prägte mit seinem ​Bildband „Ein Haus in der Sonne", der auch in Deutschland ein Bestseller wurde,  den als typisch nordisch berühmt gewordenen Einrichtungsstil. Selbst dieses Paar kam in seinem Vorzeige-Interieur im Dörfchen Sundborn ganz ohne Oberflächen aus gefärbtem Kiefernholz aus. 

​So​ kann der Leser kann ​entspannt eine Information nach der anderen genießen. 

2. ​Flüssig formulieren – Keine Hauptinformation in den Nebensatz!

Merke: Ein Nebensatz ist untergeordnet und dazu da, über Nebensachen, also Bedingungen, Umstände, Eigenschaften des Hauptgegen­standes zu informieren. Er sollte keine Hauptinformation, keine wichtige Handlung, kein neues Thema enthalten. Also nicht: Der Kollege ging zum Fenster, das er öffnete, sondern: Der Kollege ging zum Fenster und öffnete es.

Vorsicht, wenn Sie dabei sind, nach einem Hauptwort einen Nebensatz mit „der/dem/den/dessen/die/der/deren/denen ..." anzuschließen. Solch einen Relativsatz benutzen wir beim Schreiben sehr oft, gerade, weil wir zu einem Hauptwort schnell noch diese und jene Information ​hinzufügen wollen. AAAchtung​!! Dann entstehen schnell Kuddelmuddel-Sätze! Die haben nichts mit flüssigem Formulieren zu tun, wie wir an den beiden Beispielsätzen oben sahen. ​Sie enthalten einen Nebensatz​, vollgepackt mit Hauptgedanken. Eine Qual für den Leser!

​Dazu noch ein letztes Beispiel:

Das Projekt, das nach internen Berechnungen mit bis zu einer Milliarde Euro pro Jahr zu Buche schlägt und damit einen Großteil der Budgetaufstockung für das Ressort verschlingt, kommt zu einer unpassenden Zeit. 

Die Haupt­informationen gehen wieder – genau, im Relativsatz unter. Wir formulieren deshalb um:

Nach internen Berechnungen schlägt dieses Projekt mit bis zu einer Milliarde Euro pro Jahr zu Buche und verschlingt damit einen Großteil der Budgetaufstockung für das Ressort. Somit kommt es zu einer unpassenden Zeit.

​Was haben wir getan? Wir ​haben den drei Hauptgedanken den Rettungsanker zugeworfen und ​sie in ein jeweils eigenes Hauptsatzschiff gezogen: Nach internen Berechnungen ... und verschlingt damit ... . Somit kommt es ... So haben wir aus einem schwer verdaulichen ​Satz-Brocken drei Leichte-Kost-Sätze gebaut. ​Und dem Leser mundet's. 🙂

Fazit:

Flüssig formulieren heißt: ein Gedanke – ein Satz. Immer, wenn Sie dabei sind, nach einem Hauptwort einen Nebensatz mit „der/dem/den/dessen/die/der/deren/denen ..." zu benutzen, prüfen Sie, ob Sie dem Leser da wirklich gerade eine Nebensache mitteilen oder eher einen wichtigen, interessanten Gedanken. Dann gehört ​dieser in einen eigenen Satz.
Und nun viel Erfolg beim Umsetzen!

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Über die Autorin Dr. Gabriele Frings

Als Schreibcoachin, Trainerin, Textberaterin, Dozentin helfe ich Ihnen, einen professionellen Schreibstil zu entwickeln und in Beruf und Business erfolgreich zu sein.

  • Eva Otto sagt:

    Tolle Beispiele und tolle Artikel, vielen Dank!
    „… ohne Oberfläche aus ungefärbtem …“ bedeutet aber doch: alle Oberflächen aus gefärbtem … Also alles in Farbe bei den alten Schweden, oder nicht? Müsste die Info deshalb nicht sein: „… es kam in seinem Haus NICHT ohne Farben aus.“?
    Viele Grüße, E.O.

    • Dr. Gabriele Frings sagt:

      Liebe Frau Otto,
      haben Sie vielen Dank für Ihr Lob und Ihre aufmerksame Lektüre. Sie haben natürlich recht, da ist ein logischer Fehler im Text, es sollte heißen: „Es hatte in seinem Haus kein farbloses Kiefernholz.“ Da bin ich wohl komplett in die Falle der doppelten Verneinung getappt, denn im Originaltext heißt es: „ganz ohne Oberflächen aus ungefärbtem Kiefernholz“. Einfacher zu verstehen wäre hier eine positive Formulierung, etwa: „Es hatte in seinem Haus nur Oberflächen mit gefärbtem Kiefernholz“. Zur Verständnisfalle „Verneinung“ gibt es übrigens einen eigenen Blogbeitrag: https://schreibenundleben.com/verstaendlich-schreiben-die-verneinung-gefahr-fuer-ihre-leser/
      Ich habe nun der Verständlichkeit wegen den Fehler hier korrigiert.
      Nochmals vielen Dank und herzliche Grüße
      Dr. Gabriele Frings

  • Zwingy sagt:

    Prima Artikel & ja ich habe etwas gelernt ✌️ Jetzt muss ich es nur noch anwenden 😧

  • Marta sagt:

    Wow! Ein toller Blog! Danke, dass Du dein Wissen hier teilst:-)!

    Liebe Grüße,

    Marta

    • Dr. Gabriele Frings sagt:

      Hallo Marta,
      vielen Dank. 🙂 Das mache ich immer wieder gerne. Die deutsche Sprache ist ja so abwechslungsreich, flexibel – und ungemein spannend.
      Viele Grüße
      Gabriele

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