Ein sexy Text – mit 100%ig stimmigem Satzbau

tulpe in pink von oben zu satzbau

Ihr Text soll möglichst professionell werden, klar. Der Kopf ist voller Ideen für den Inhalt, gleichzeitig möchten Sie auch schon den Satzbau perfekt gestalten. Sei es wegen Termindrucks oder weil es so Ihre Schreibmethode ist.

Nur: Wenn unsere kreative rechte Gehirnhälfte mit Vollgas arbeitet, gerät die linke, fürs Rationale zuständige meist in einen Dämmerzustand. Wir werden betriebsblind für richtigen Satzbau und korrekte Sprachstrukturen.

Dabei können Sie mit simplem Wissen um einige Basics unserer Sprache einen hässlichen, immer wieder anzutreffenden Fehler im Satzbau von vorneherein vermeiden: die Verwechslung von zu und um zu.

Anhand von zu und um zu vermittle ich Ihnen heute nützliches Basis-Wissen rund um den Satzbau – damit Sie sich in Zukunft ganz Ihren kreativen Ideen widmen können. Und viel Zeit bei der Textüberarbeitung sparen.

(Hier die Lösungen für den Schreibtest am Ende des Artikels: 1. richtig, 2. falsch, 3. falsch, 4. richtig, 5. falsch. Und nachher nicht schummeln! 😉 )​

1. Ihr Satzbau: die zwei Nebensatzarten

Der Hauptgegenstand soll stets im Hauptsatz stehen. Nebensätze sind dazu da, Umstände und Bedingungen der Hauptsache mitzuteilen. Das haben Sie sicher schon gehört, vielleicht auch unter der griffigen Merkregel: Hauptsachen in Hauptsätze, Nebensachen in Nebensätze.

So, nun bringe ich ihr Sprachweltbild ins Wanken: das stimmt zu 80 %. Denn: Ein Nebensatz kann zum Beispiel auch das Subjekt oder ein Objekt sein und dann ist er keine Nebensache. Sorry.

Auch dafür, dass ich jetzt das Wort „exklusiv“ benutze. Aber ich verrate Ihnen nun tatsächlich etwas, was ich selbst in den Druckerzeugnissen der Sprachstil-Gurus vermisse, ein wichtiges Phänomen im deutschen Satzbau: Es gibt zwei grundverschiedene Arten von Nebensätzen.

  1. die notwendigen Nebensätze, die ein Subjekt oder Objekt darstellen (= Subjekt- oder Objektsätze)
  2. die möglichen Nebensätze, auch Adverbialsätze genannt, die tatsächlich Auskunft geben über die Umstände der Hauptsache

Aber klar doch, im folgenden gibt es selbstverständlich Beispiele dazu. 🙂

2. Ihr Satzbau: notwendige Nebensätze

1. Funktion

Notwendige Nebensätze haben die Funktion eines Subjekts (Subjektsatz) oder eines Objekts (Objektsatz).

Dazu gehören die dass-Sätze:

Es ist schön, dass die Sonne scheint (Subjektsatz – wer/was ist schön?).

Ich sehe, dass der Bus kommt (Objektsatz – wen/was sehe ich?).

Er rechnet fest damit, dass sein Chef ihn befördert (Objektsatz – womit rechnet er?)

gemalte Sonne zu Satzbau

Es liegt auf der Hand, dass Nebensätze mit dass die am häufigsten gebrauchten Nebensätze sind.

Natürlich gibt es Alternativen zum dass-Satz. Etwa diese. Wenn das Subjekt im Hauptsatz und Nebensatz identisch ist, sollten Sie den Infinitivgruppe mit zu (auch erweiterter Infinitiv mit zu genannt) verwenden. Nehmen wir ein Beispiel:

Die Studenten müssen lernen, dass sie sorgfältiger recherchieren.

Hier ist es besser zu schreiben:

Die Studenten müssen lernen, sorgfältiger zu recherchieren.

2. Struktur

Das Verb lernen im Beispielsatz hat normalerweise ein Objekt und diese Funktion erfüllt der Infinitivsatz (was müssen die Studenten lernen?). Bei vielen Verben ist dieses Objekt unumgänglich, weil der Satz sonst nicht vollständig ist, wie in diesem Beispiel:

Sie versuchte mit Nachdruck, ihre Forderungen durchzusetzen.

Sie versuchte mit Nachdruck ergibt keinen Sinn. Hier können wir keinen Punkt setzen, denn wir fragen uns zu Recht: ja, was versuchte sie mit Nachdruck?

3. Ihr Satzbau: mögliche Nebensätze

1. Funktion

Zur zweiten Gruppe mit einer völlig anderen Funktion zählen die Adverbialsätze, die nun tatsächlich Auskunft über die Umstände und Bedingungen der Hauptsache geben. Hier einige Beispiele:

Er blieb zu Hause, weil es regnete. (Grund, kausal)

Obwohl mir der Arzt empfohlen wurde, war ich nicht zufrieden. (Einschränkung, konzessiv)

Er schaute mich an, als wäre ich ein Krimineller. (Art und Weise, modal)

Sie betreibt viel Aufwand, um möglichst viele Follower zu bekommen. (Absicht/Zweck/Ziel, final)

Jep! Da wären wir nun auch beim Finalsatz mit um zu. Hier ist die Frage eine ganz andere als nach dem Objektsatz: wozu/warum betreibt sie viel Aufwand? Völliger Unsinn wäre hier die Frage: was betreibt sie viel Aufwand?

2. Struktur

Sie betreibt viel Aufwand ist ein vollständiger Satz, hier können wir getrost nach dem Hauptsatz einen Punkt setzen, wie übrigens bei allen anderen Beispielen oben auch. Der Rest um möglichst viele Follower zu bekommen ist eine mögliche, aber grammatisch nicht notwendige Information.

Uff, jetzt haben Sie viel Sprachstruktur gestemmt. Klopfen Sie sich ruhig mal auf die Schulter, Sie haben es sich verdient. 🙂 Zeit für einen Schluck Kaffee und eine Zwischenbilanz. Nun kennen Sie:

kaffeetasse mit keks zu Satzbau
  1. den Unterschied zwischen einem notwendigen und einem möglichen Nebensatz
  2. den Unterschied speziell zwischen dem notwendigen Infinitiv mit zu (Frage: wer/wen/was?) und dem möglichen Finalsatz mit um zu (Frage: wozu? warum?)

4. Ihr Satzbau: der Infinitivsatz als Attribut

Achtung, festhalten, jetzt wird's nochmal kurz rasant. Auch der Infinitivsatz kann ein möglicher Nebensatz sein. Dann, wenn er die Funktion eines Attributs hat. Ein Attribut ist eine Beifügung, eine nähere Information zu einem Substantiv. Hierzu noch zwei Beispiele:

Daraus ergibt sich die Bereitschaft des Kunden, mehr Geld zu investieren.

Hier ist der Infinitivsatz ein Attribut zum Substantiv Bereitschaft. Wir fragen: Was für eine Bereitschaft? Aha, mehr Geld zu investieren.

Seine Hoffnungen, die Prüfung zu bestehen, haben sich zerschlagen.

Das gleiche hier: welche Hoffnungen?

Ein solches Satz-Attribut haben Sie sicher schon oft benutzt. Jetzt wissen Sie aber auch, WAS Sie da tun und wozu. Und das ist unerlässlich, wenn Sie souverän mit der Schriftsprache umgehen wollen. 🙂

5. Ihr Satzbau ...

Tjaha, jetzt geht’s an die Gehirnsubstanz. Och nö, nicht stöhnen und weiterscrollen! Es lohnt sich wirklich, dieses kleine Schreib-Workout durchzuführen. Sie werden dann nie mehr zu und um zu verwechseln, versprochen.
Noch mal zur Erinnerung:

a) Passt „wer/was“, „wen/was“, „was für ein/e, was für welche“? Dann benutzen Sie nur ein zu.

b) Passt „wozu/warum“? Dann verwenden Sie ein um zu.

Am besten nehmen Sie einen Stift und ein Zettelchen zur Hand, sonst tut's auch die Handinnenfläche. So, es geht los: Welcher Nebensatz ist richtig, welcher ist falsch? (Die Lösungen finden Sie ja oben in der Einleitung.)

1. Wüstenameisen nutzen eine Art Schrittzähler, um sich auf ihren Wegen zwischen Futterstelle und Nest zu orientieren.

2. Die Torfindustrie unternimmt Anstrengungen, um die erschöpften Moore zu regenerieren.

3. Ein einziger Stoß aus der Vuvuzela kann ausreichen, das Gehör dauerhaft zu schädigen.

4. Die Maßnahme des Vorstands, die Stellen zu kürzen, ist unsozial.

5. Viele Erkenntnisse nutzen wir nur selten, das Leben besser zu machen.

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Über den Autor Dr. Gabriele Frings

Als Autorin, Publizistin und Schreibcoach helfe ich Ihnen dabei, einen professionellen Schreibstil zu entwickeln und mit mehr Freude ans Texten zu gehen.

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1 Kommentar
Vermeide diese 5 Fehler beim Texten und dein Blogartikel rockt! - Social Media Betreuung says 26. April 2017

[…] zu informieren. Zum Thema Nebensätze und ihr Verhältnis zum Hauptsatz habe ich einen eigenen Beitrag […]

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