5 goldene Tipps für glänzende Attribute

Esel liegend zu Attribute

Das kennen Sie sicherlich. Sie haben ein höchst wichtiges Schlagwort vor sich, es soll Hauptgegenstand im nächsten Satz sein. Die Informationen zu diesem Substantiv wirbeln nur so in Ihrem Kopf herum. Alle sind wichtig und müssen unbedingt in den Satz. Sie beginnen zu schreiben – und schon haben sie einen Satz, vollgestopft mit Attributen (Beifügungen), die nicht nur Ihrem Substantiv, sondern auch Ihrem Leser die Luft abschnüren.

Das wollen Sie nicht? Dann zeige ich Ihnen heute, wie Sie mit flüssigen und leicht verdaulichen Attributen dem Leser knackige, klare Sätze liefern.

1. Besser rechts als links: Attribute richtig sortieren

Die deutsche Grammatik erlaubt uns, Attribute links vor das Substantiv zu stellen, und zwar in beliebiger Menge. Leider. So ist solch ein Satz aus der FAZ, der uns über die Physiologie des Buntspechts aufklärt, grammatisch zwar korrekt, aber … – urteilen Sie selbst:

Eine federnde Verbindung verteilt die beim Schlagen des Schnabels auf den Baumstamm entstehenden Erschütterungen und schützt das Hirn.

Aber das Hirn des Lesers wird hier leider nicht geschützt. 🙁 Der Satz stolpert und mit ihm der Leser.

1. Vom Schotterpisten-Partizip zum gleitenden Relativsatz

Das – Achtung, Zungenbrecher! – Partizipialattribut (PA) wie entstehenden ist immer holprig, erst recht, wenn es erweitert ist wie unserem Beispiel.

Lösung: zuerst nennen Sie die Sache oder die Person, dann erst die Eigenschaften. Im obigen Beispiel ist es das Substantiv Erschütterungen:

Eine federnde Verbindung verteilt die Erschütterungen, die beim Schlagen des Schnabels auf den Baumstamm entstehen, und schützt so das Hirn.

Aus dem PA haben wir einen Nebensatz (Relativsatz) gemacht, der rechts vom Substantiv steht. Und schon ist der Inhalt gehirnfreundlich verpackt.

2. Ein geschmeidiges Partizip

Eine Light-Alternative zum PA ist auch das satzwertige Partizip. Im Vergleich zu:

Ein mit einer blauen Plakette kombiniertes Fahrverbot in Großstädten würde 70 % der Dieselfahrzeuge treffen.

klingt folgende Version viel entkrampfter:

Ein Fahrverbot in Großstädten, kombiniert mit einer blauen Plakette, würde 70 % der Dieselfahrzeuge treffen.

Aus jedem Partizipialattribut lässt sich ein Nebensatz (Relativsatz) machen, der grundsätzlich immer leserfreundlicher ist.

2. Die knackigen: Adjektiv-Attribute

Mit Adjektiven können wir auf ökonomische Weise ein Substantiv mit Eigenschaften versehen und Unterscheidungen treffen. Sie gehören deshalb zu den beliebtesten und schnell mal eingefügten Attributen. Genau darin liegt aber auch ihr Nachteil. Wegen ihrer Kürze werden sie gerne im Übermaß benutzt, wie auf der Webseite einer Marketing-Agentur:

Wir definieren klare Positionen und ermitteln einzigartige Werte. Wir kreieren unverwechselbare visuelle Auftritte

… bis dem Kunden schwindelt. Prüfen Sie in so einem Fall, ob Sie statt der Adjektivhäufung aussagekräftige Substantive nutzen können oder umschreiben Sie die Sache, zum Beispiel mit einem Relativsatz.

Im Unterschied zum Partizip sind Adjektiv-Attribute nur begrenzt erweiterbar, zum Beispiel mit einem Adverb:

Die ungeheuer anpassungsfähigen Bakterien müssen in Schach gehalten werden.

Noch ein Platin-Rat: hüten Sie sich unbedingt vor Substantiv-Adjektiv-Phrasen wie professionelle Lösung oder zielgerichtete Maßnahmen. Damit vergraulen Sie garantiert Ihre Leser und Kunden.

3. Die tückischen: Attribute mit Präpositionen

Deutschlands Autobranche lebt vom Vertrauen in den Diesel.

Ein runder, klarer Satz mit dem Substantiv Vertrauen und einem leicht verständlichen Attribut, das aus einem Substantiv und einer Präposition besteht (Präpositionalattribut): in den Diesel.

Playmobilkrieger auf Turm zu Attribute

Erinnern Sie sich an den Passierschein A38? Jenen, den Asterix und Obelix im Trickfilm „Asterix erobert Rom“ erhalten und der sie mit dem Irrsinn eines bürokratischen Systems bekannt macht, das nur aus Anträgen zur Erteilung von Genehmigungen zur Entgegennahme von Formularen zur Antragstellung besteht? Wieviele Attribute mit Präpositionen (Präpositionalattribute) sind hier verschachtelt? Also, ich komme auf fünf.

Sie meinen, das ist übertrieben und fern der Texter-Realität? Diesen Satz fand ich neulich in einer Buchbesprechung in der ZEIT :

Diesen Ton der Sorge um das Gemeinsame in hoch individualisierten Gesellschaften aus lauter Einzelnen mit ihren verkapselten Wahrnehmungen schlägt in seinem jüngsten Buch der Stadtplaner D. H.-A. an .

Hat Ihr Gehirn den Satz sofort gescannt? Dann sind Sie mir voraus, denn ich musste ihn zweimal lesen. Hier haben wir viel zu viele Attribute verschachtelt. Schnallen Sie sich kurz an, denn ich kann es nicht lassen, den Attribute-Hexenkessel schnell mal auseinanderzunehmen: der Sorge = Genitivattribut zu Ton, um das Gemeinsame = Präpositionalattribut (Präp.) zu Sorge, in hoch individualisierten Gesellschaften = Präp. zu Gemeinsame, aus lauter Einzelnen = Präp. zu Gesellschaften, mit ihren verkapselten Wahrnehmungen = Präp. zu Einzelnen. Puuh, ...

Zuerst: dass der Autor D. H.-A. sich sorgt, ist ja die Hauptsache. Deshalb sollte das in einem Hauptsatz stehen und dem Leser nicht in einem Attribut untergejubelt werden.

Wenn wir die Mammut-Attributkette in zwei Hauptsätze umformen, erhalten wir:

In seinem jüngsten Buch schlägt D. H.-A. einen sorgenvollen Ton an. Er fragt sich, wie das Gemeinsame bewahrt werden kann in hoch individualisierten Gesellschaften mit ihren verkapselten Wahrnehmungen.

Sprechblase mit „seufz!“ – der Leser atmet auf.

4. Die flutschenden: Nebensätze als Attribute

Den Relativsatz als beliebtes Attribut haben wir uns ja schon unter Punkt 1 angeschaut. Auch dass-Sätze und Infinitivsätze mit zu sind flüssig zu lesende Attributsätze, die Sie sicher schon oft benutzt haben, gerade weil sie so gut flutschen – beim Texter und beim Leser. Hier nur zwei Beispiele dazu:

Die Berechnungen kommen zu dem Ergebnis, dass Frauen nur zwischen 5 und 7 Prozent weniger verdienen als Männer.

Er wehrte sich mit aller Kraft, sich davon vereinnahmen zu lassen.

5. Die richtigen: wie Sie mit Attributen glänzen

So, am Schluss kommen wir nochmal zur Ausgangssituation zurück. Sagen wir, Sie haben das Schlagwort Marketing-Strategie. Nun wollen Sie viele wichtige Informationen mitteilen wie etwa: was für eine Strategie, wozu, warum, was für ein Risiko besteht? Das können Sie mit den richtigen Attributen in zwei kurzen, knackigen Sätzen tun. Glauben Sie nicht? Dann schauen Sie mal:

Zum Jahresanfang braucht unser Unternehmen neue, gut entwickelte Marketing-Strategien zur Ankurbelung des Verkaufs. Denn das Risiko, dass die Produktion die Nachfrage übersteigt, ist zu groß.

Voilà. 🙂

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Über den Autor Dr. Gabriele Frings

Als Autorin, Publizistin und Schreibcoach helfe ich Ihnen dabei, einen professionellen Schreibstil zu entwickeln und mit mehr Freude ans Texten zu gehen.

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