Leserfreundlich schreiben? Knacken Sie den Schachtelsatz!

Gestern habe ich, während ich auf den Zug wartete, zwei Eichhörnchen am Bahndamm beobachtet.

Merken Sie etwas? Der eingeschobene​ Nebensatz unterbricht den Erzählfluss. Man fällt sich quasi selber ins Wort. Aber merkwürdigerweise nur in der Schriftsprache, nicht bei spontaner Rede. Da erzählen wir der Großtante: ​

Gestern ​habe ich zwei Eichhörnchen beobachtet, während ich auf den Zug wartete.

​​Flüssig und gleitend zu lesen. 

Trotzdem lassen wir im Schriftlichen die Nebensätze immer wieder wie einen herabstürzenden Meteorit in den Satz hineinkrachen. So wie in dem schon bekannten Schachtelsatz-​Exemplar:

Jetzt will die Regierung Nepals, die ein Gesetz erlassen hat, dass alle Expeditionen auf den Mount Everest ihren Müll zurückbringen, die Zahl der Kletterer, die sich in den letzten zehn Jahren verdreifacht hat, beschränken.

Zurück bleibt eine Geröllwüste, durch die ​der Leser ​ hindurchstolpern muss. Folge: Er ist genervt (stellen Sie sich jetzt ​vor, ​dieser Leser ist Ihr Vorgesetzter oder ein ​Kunde ...). Worauf  Sie als Schreiber ​achten müssen und welche Tricks es gibt, damit es dazu nicht kommt, ​zeige ich Ihnen in diesem Demo-Video:

​​Wäre es nicht ​toll,  ​sie hätten ​​immer ein ​solides Handwerkszeug parat​​, um ​locker ​solche ​​flüssigen, leicht verständlichen Texte zu schreiben? ​ ​Ich verrate Ihnen etwas: Es gibt in Kürze einen zielgenauen Weg dorthin. Achten Sie unbedingt auf meine nächste Mail! ​:-)​​

​Hinterlassen Sie gerne Ihren Kommentar!

  • Richard sagt:

    Beim täglichen Schreiben ist es gar nicht so leicht Schachtelsätze zu vermeiden. Endlich mal dazu ein Video, das wirklich die Praxis erklärt. Bitte unbedingt mehr davon!

  • C. H: sagt:

    Perfekt erklärt! Genau so wünsche ich mir alle Texte.

  • Michael Schober sagt:

    Hallo Frau Dr. Frings,
    danke für das lehrreiche Video! Ich gehöre leider auch immer noch zu denen, die sich gerne in langen Sätzen verfangen. Eine Frage: Ist nicht die Hauptaussage am Satzanfang die Beschränkung der Kletterer? Das Erlassen des Gesetzes war ja vorher und scheint nicht den gewünschten Effekt gebracht zu haben. Ich hätte den Schachtelsatz dann wie folgt auseinandergenommen: „Jetzt will Nepal die Zahl der Kletterer auf den Mount Everest beschränken, die sich in den letzten zehn Jahren verdreifacht hat. Zuvor hatte die Regierung ein Gesetz erlassen, das alle Expeditionen verpflichtet, ihren Müll zurückzubringen.“

    • Dr. Gabriele Frings sagt:

      Hallo Herr Schober,
      da haben Sie vollkommen Recht, man könnte die zweite Mitteilung auch nach vorne holen. Damit betonen Sie dann die zeitliche Abfolge (was man auch mit „Nachdem …“ erreichen könnte). Auch Ihre Satzvariante ist in jedem Fall leicht lesbar. Im Ursprungssatz wird allerdings der kausale Zusammenhang nicht deutlich. Sie sehen, da haben wir – neben der schweren Lesbarkeit – einen weiteren Nachteil von verschachtelten Sätzen: Die logische Abfolge ist oft schwer erkennbar. Und Sie sehen auch, es gibt nicht DIE eine Lösung beim Umformen eines Satzes. Das ist ja das Schöne an der deutschen Sprache, dass sie im Unterschied etwa zum Englischen so biegsam und variantenreich im Satzbau ist. 🙂 Man kann den Satzbau eben auch der Betonung anpassen.
      Viele Grüße
      Dr. Gabriele Frings

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