Lieber zwei statt eins – so schreiben Sie klare Texte

Schachtelsatz

Erst gestern schrieb mir ein Leser meines Blogs bedauernd, dass offenbar nichts mehr gründlich gelesen werde; er habe den Eindruck, dass Texte nur noch überflogen werden, seien es E-Mails, Briefe, Angebote, Webtexte. Ja, das ist sicherlich ein zunehmendes Phänomen und diesem muss man sich als Schreiber stellen. Es muss ja nicht gleich in „lol“​ oder „asap“ münden (falls Sie ​keinen Kurs in Jugendslang gemacht haben​: „laughing out loud“ und „as soon as possible“).

​Fakt ist: Auch in Zeiten von Blogs, Twitter, Facebook und Co. ​bleiben es Texte, die erklären und überzeugen, verführen und verkaufen. Geändert haben sich allerdings die Erwartungen: Chefs, Kollegen und Kunden wollen mit ​klaren, auf Anhieb verständlichen Texten bedient werden. Wie aber gelingt es, so zu schreiben?

Zum Beispiel, indem Sie Ihren Satzbau klar und übersichtlich gestalten. Nur so entsteht ein wirklich angenehm zu lesender Text, der Ihnen Aufmerksamkeit bringt. ​Schauen Sie sich einmal die folgenden Beispiele an.

1.​ ​ Nicht zu viele Nebensätze anhängen

​Durch den Kontakt mit Staub und Tieren gelangen Bakterien und Pilze in ​unseren Körper, von denen einige vermutlich die körpereigenen Abwehrkräfte trainieren, sodass diese lernen, Freund und Feind zu unterscheiden.

​Hm, wahrscheinlich mussten auch Sie im Satz nochmal zurückspringen oder ihn zweimal lesen, um ​die Aussage​n zu verstehen. ​Woran das liegt? Tja, alle Informationen im Text sind in einen einzigen Satz gestopft.

Dabei beginnt der Text ​so schön, und zwar mit einem Hauptsatz „Durch den Kontakt mit Staub und Tieren gelangen Bakterien und Pilze in den Körper“. Und statt hinter diesen Satz einen Punkt zu setzen, weil d​er erste ​Gedanke hier zu Ende ist, plappert der ​Schreiber einfach weiter. ​Er hängt drei Nebensätze an – zu viele. Außerdem sind diese auch noch mit Pronomen​ wie „denen" und „diese" gespickt; sie ​stiften zusätzlich Verwirrung. „Diese" haben wir in der neuen Version deshalb durch das Nomen „Mikroorganismen" ersetzt, um Klarheit zu schaffen:

Durch den Kontakt mit Staub und Tieren gelangen Bakterien und Pilze in den Körper. Einige ​von ​solchen Mikroorganismen ​trainieren vermutlich die körpereigenen Abwehrkräfte​, sodass ​diese lernen, Freund und Feind zu unterscheiden.

​Nun liest es sich flüssiger, oder?

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2. ​​Keine Nebensätze mitten in den Satz stopfen

Wer ​tut was? Das ist die Kernfrage, die jeder Leser schnell beantwortet haben möchte. ​Deshalb sollten Sie beim Schreiben schauen, dass Sie diese Information immer klar und deutlich mitteilen.

In Texten aller Art wird dieses elementare Gesetz jedoch immer wieder missachtet. So wie hier, wo der Schreiber einen überlangen Nebensatz ​mit 16 Wörtern zwischen Subjekt und Verb quetscht:

​Die Teilnehmer der fünftägigen Radtour, die allesamt Halbprofis oder Profis waren und deren Startgeld zu großen Teilen in die Stiftung floss, fuhren insgesamt 350 Kilometer.

​Der eingeschobene Nebensatz (hier ein Relativsatz) schlägt wie ein Meteorit zwischen das Subjekt „die Teilnehmer" und das Verb „fuhren“ ein. ​Der arme Leser muss erst diesen riesigen Krater überwinden, um das Verb zu finden und damit eine Antwort auf die Frage, was sie denn nun tun, die Teilnehmer. Größte Absturzgefahr für den Leser!  
Schauen wir einmal, welche Informationen ​der Schreiber überhaupt mitteilen will: 1. Halbprofis und Profis machten eine fünftägige Radtour​ und fuhren 350 km. 2. Ihr Startgeld floss in die Stiftung.
Wir entzerren ​nun den gestopften Satz und halten uns dabei an die Faustregel: Pro Gedanke ein Satz. ​​Deshalb bauen wir jetzt zwei Hauptsätze und kürzen ​ein wenig:

​Die Halbprofis und Profis fuhren bei der fünftägigen Radtour insgesamt 350 Kilometer. Ihr Startgeld floss zu großen Teilen in die Stiftung.

​Jep! So geht leserfreundlich.

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Über den Autor Dr. Gabriele Frings

Als Schreibcoach, Dozentin und Autorin helfe ich Ihnen, einen professionellen Schreibstil zu entwickeln und so in Beruf und Business voranzukommen.

  • Danke für Ihre regelmäßigen Tipps. Mir sagte mal ein Kunde, ihm seien meine Sätze zu einfach. Das war als Kritik gemeint. Ich habe darauf geantwortet, wenn er nicht verstanden werden wolle, gerne, kostete mich auch weniger Zeit und Aufwand. Danach lief die Zusammenarbeit viel besser als vorher 🙂

    • Dr. Gabriele Frings sagt:

      Hallo Herr Lubienetzki,
      das ist interessant, was Sie schreiben. Es kommt wohl auch auf die Funktion und das Zielpublikum eines Textes/Schreibens an. In einem Feuilletonartikel dürfen die Sätze sicherlich auch mal ein wenig kunstvoller – aber immer verständlich – gebaut sein als in einem Angebotstext für Kunden. Vielleicht ist der Kunde ja ein regelmäßiger Leser Frankfurter und Hamburger Feuilletons. 😉
      Viele Grüße
      Dr. Gabriele Frings

      • Nein, es ging um Texte für einen Ausbildungsnewsletter. Darin fanden sich viele nichtssagende, englische Jobbezeichnungen – ohne Erläuterungen. Ich habe versucht, die Inhalte lesbarer zu gestalten, damit nicht jedes zweite Wort nachgeschlagen werden muss. 🙂

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