Der dass-Satz – oft ein Langweiler und Zeitdieb

dass-Satz

​Sie bekommen diese Mail: ​„Abteilungsleiter Schmidt will, dass wir alle am Freitagnachmittag zur Besprechung kommen. Er meint, dass das Thema Marketing keinen Aufschub mehr verträgt. Denn er hat im ​Fachblatt gelesen, dass die Konkurrenz ... " Genervt? Verständlich, wäre ich auch.

Abgesehen von der Häufung des Wörtchens dass, die Überdruss und Langeweile erzeugt, stiehlt jedes Wort zuviel dem Leser die kostbare Zeit. Und der dass-Satz hat das Potential zum echten Zeitfresser. Das ist besonders bei Webtexen fatal. Wie der dänische Webnutzer-Forscher Jakob Nielsen herausfand, überfliegen 82 % der User nur einen Text, 8 von 10 Nutzern lesen die Überschriften, aber nur 2 von 10 den restlichen Text. Das heißt, der Web-Leser will in kürzest möglicher Zeit an seine Informationen kommen. 

Wie können Sie als Texter diesem Wunsch entsprechen, damit dem Leser Ihrer Mail nicht plötzlich einfällt, das Wohnzimmer aufzuräumen statt weiterzulesen? Ganz einfach: Sagen Sie das, was Sie sagen wollen, mit einer klaren, kompakten Sprache! Wie das geht? Das zeige ich Ihnen hier am Beispiel des dass-Satzes.

1. Dass-Satz? ​Kürzer mit Doppelpunkt

Generell gilt für ​JEDEN Gebrauchstext die Regel: ​so viel wie nötig und so wenig wie möglich schreiben. ​Gerade bei dass-Sätzen gibt es Sparpotenzial. Die Konjunktion dass haben wir sowieso schon sehr häufig in ​jedem Text. Mit der Suchfunktion Ihres Schreibprogramms können Sie da auf die Sparmöglichkeit​spirsch gehen.
Schauen wir uns dazu mal konkrete Beispiele an:

In der Einladung steht, dass die Veranstaltung vom Bürgermeister eröffnet wird.

Hier können Sie sehr gut den Doppelpunkt als Variante einsetzen:

In der Einladung steht: Die Veranstaltung wird vom Bürgermeister eröffnet.

Der Doppelpunkt ist überhaupt ein magisches Satzzeichen. Er sorgt für ein kurzes Innehalten des Lesers und baut Spannung auf. Und die ist eine der wichtigsten Zutaten, damit der Leser nicht ins Wohnzimmer abschwirrt (Sie wissen schon, aufräumen und so), sondern bei Ihrem Text bleibt.

2. Dass-Satz? Keine überflüssigen Hauptwörter davor!

Auch solch ein Satz lässt sich in jedem Fall kürzen:

Die Tatsache, dass der Redner zu spät kam, verzögerte den Seminarbeginn.

Die umständliche Formulierung mit dem überflüssigen Substantiv die Tatsache und dem ​dass-Satz können wir ​ganz einfach durch die Konjunktion da oder weil ersetzen:

Da der Redner zu spät kam, verzögerte sich der Seminarbeginn. Oder: Der Redner kam zu spät, deshalb verzögerte sich der Seminarbeginn.

3. Dass-Satz? Knackiger: indirekte Rede

Bei Verben des Sagens und Meinens ​können und sollten ​Sie möglichst ​die indirekte Rede benutzen. ​So können Sie den dass-Satz ganz einfach in einen Hauptsatz umwandeln. Statt:

Sie entgegnete dem Kollegen, dass er Unrecht habe.

Können Sie schreiben:

Sie entgegnete dem Kollegen, er habe Unrecht.

​So, jetzt kommen wir noch einmal auf unsere Anfangsmail zurück.

​Abteilungsleiter Schmidt will, dass wir alle am Freitagnachmittag zur Besprechung kommen. Er meint, dass das Thema Marketing keinen Aufschub mehr verträgt. Denn er hat im ​Fachblatt gelesen, dass die Konkurrenz noch in diesem Jahr das neue Modell vorstellen will.

​Nun setzen wir den XXL-dass-​Radierer ein:

Abteilungsleiter Schmidt will, dass wir alle am Freitagnachmittag zur Besprechung kommen; das Thema Marketing vertrage keinen Aufschub mehr. Denn er hat im ​Fachblatt gelesen: Die Konkurrenz ​will noch in diesem Jahr das neue Modell vorstellen.

Kompakt, abwechslungsreich und angenehmer zu lesen? Na ​bitte! 🙂

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Über den Autor Dr. Gabriele Frings

Als Schreibcoach, Dozentin und Autorin helfe ich Ihnen, einen professionellen Schreibstil zu entwickeln und so in Beruf und Business voranzukommen.

  • Also dass das „dass“ das „das“ oft fälschlicherweise verdrängt bemerke ich oft schmerzhaft, und es erstaunt mich immer wieder, dass es den Leuten nicht weh tut antstatt des „dass“ einfach das „das“ zu schreiben – und umgekehrt. Sind „das“ und „dass“ doch zwei völlig unterschiedliche Worte, die nur zufällig ähnlich klingen. Gut, aber dass man das „dass“ auch zu häufig verwendet, liegt wohl daran, dass das „dass“ in der gesprochenen Sprache häufiger verwendet wird als in der geschriebenen. Zum Glück passiert es mir nie in meinen Texten oder Kommentaren, dass ich das „das“ oder das „dass“ zu häufig verwende. 😉

    • Oje. Da ist jetzt ein Fehler passiert. Dass das „dass“ das „das“ verdrängt, liegt nämlich häufig daran, dass die Rechtschreibkorrektur jedes „das“ nach einem Beistrich durch ein „dass“ ersetzt, was nicht in allen Fällen richtig ist. Oben müsste es natürlich im ersten Satz heissen: Also dass das „das“ das „dass“ oft fälschlicherweise verdrängt … Aber das ist dem aufmerksamen Leser sicherlich nicht entgangen. 😉

      • Dr. Gabriele Frings sagt:

        Hallo Herr Rafelsberger,
        danke für Ihren Komm-Komm-Kommentar. 😉 Ja, Sie haben ganz recht, das „dass“ hat als Bindeglied zwischen zwei Sätzen und als Beifügungssatz eine völlig andere Funktion als das „das“, welches ein Artikel oder ein Pronomen sein kann. Manchmal ist es allerdings ein wenig tricky, „dass“ und „das“ im täglichen Schreibfluss nicht zu verwechseln. Siehe dazu mein Beitrag: https://schreibenundleben.com/wann-doppel-s/
        Da hilft nur eins: Die Suchfunktion des Schreibprogramms nutzen und, wenn der Text steht, noch einmal alles „dasse“ (Verzeihung! ;-)) checken.
        Viele Grüße
        Dr. Gabriele Frings

  • Barbara sagt:

    Vielen Dank für diesen nützlichen Artikel. Ich fühle mich ertappt. Vor allem den Doppelpunkt werde ich jetzt öfter mal benutzen.

    • Dr. Gabriele Frings sagt:

      Ja, der Doppelpunkt bringt in jedem Fall Dynamik in den Text – wenn man ihn nicht zu häufig einsetzt. Denn dann nutzt er sich ab. Aber das gilt ja für jedes Sprachstilmittel.
      Viele Grüße
      Dr. Gabriele Frings

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