Das Wörtchen „aber“ – der Giftpfeil in Ihrem Text!

aber

Ein unscheinbares Wörtchen vermiest so oft die Kommunikation mit dem Leser wie es i-Tüpfelchen in der Bibel gibt: das ABER. Kaum haben die Augen des Lesers es berührt, schnellt es im Satz hoch wie ein Brett, das ihn direkt am Kopf trifft.

Hand aufs Herz – oder besser noch: Hand an die Tastatur und schnell mal in Ihren letzten Text geschaut. Wo und wie oft taucht dieses Wörtchen bei Ihnen auf?

Oh, oh ... Wo das Wort der Giftpfeil ist, der die Dynamik Ihrer Aussage abrupt lähmt und wo es als Mikro-Dosis-Gift gerade noch verträglich ist  – das zeige ich Ihnen nun.

1. „Aber“ streichen und neu ansetzen

Die Beispiele für das Verwenden des „aber“ als miesepetriger Textverderber sind Legion. Dennoch gebe ich Ihnen hier einige davon und zeige Ihnen zugleich elegante Alternativen, mit denen Sie den Spiel- und Tonverderber locker aus Ihren Sätzen kicken können. 

Das Angebot gefällt uns gut, aber der Posten „Service“ fehlt noch.

Merken Sie's? Der zweite Satz wertet die positive Aussage des ersten Satzes sofort ab. Deshalb lassen wir das „aber“ weg, machen einen Punkt und setzen mit einem weiteren Satz neu an. Dann klingt es weitaus freundlicher:  

Das Angebot gefällt uns gut. Wenn Sie den Posten „Service“ noch ergänzen, ist es perfekt.

Werfen wir einen kurzen Lupen-Blick auf das „aber“. Als sog. adversative Konjunktion verbindet es zwei Hauptsätze. Es drückt dabei einen Gegensatz aus, in den meisten Fällen ein „wider“, ein „miss-“ oder ein „schlechter“. In Wörtern wie Aberglauben oder aberwitzig ist diese negative Konnotation gut erkennbar.

Wenn wir das „aber“ als Satz-Verbindung benutzen, schwächt es den ersten Hauptsatz ab und schiebt die Aussage des Aber-Satzes in den Vordergrund. Schauen Sie:

Als Beratungsagentur schauen wir genau hin und widmen uns jedem Detail, aber auch der Weitblick gehört zu unseren Stärken.

Hier schränkt der Aber-Satz die erste Aussage wieder ein und schmälert so die Leistung. Wie schade – für Autor und Leser. Dabei können wir gerade beim überaus häufig gebrauchten „aber auch“  das „aber“ meistens streichen, einen Punkt setzen und mit einem einfachen „auch“ einen neuen Satz beginnen:

Als Beratungsagentur schauen wir genau hin und widmen uns jedem Detail. Auch der Weitblick gehört zu unseren Stärken.

Sogar wenn Sie dem Kunden etwas Negatives mitteilen müssen, brauchen Sie kein „aber“. Dazu noch ein Beispiel:

Vielen Dank für Ihre Anfrage, aber zurzeit haben wir so viel zu tun, dass wir keine neuen Aufträge annehmen können. Erst ab der 20. Kalenderwoche ist das wieder möglich.

Uiih, hier spürt der Leser ganz sicher einen heftigen Schmerz, den ihm das gegen seinen Kopf knallende Brett zugefügt hat. Denn: Mit dem „aber“ wird hier – sicherlich unbewusst – dem Kunden signalisiert, dass seine Anfrage etwas Schlechtes, etwas Zuwiderlaufendes ist. Fatal! So wird er bestimmt nicht noch einmal anfragen. Tja, ein klarer Fall von: Chance verschenkt. Der Text ohne das Gegensatz-Wort ist Balsam für die Stimmung des Kunden:

Vielen Dank für Ihre Anfrage. Zurzeit haben wir so viel zu tun, dass wir uns freuen, wenn Sie uns Ihre Nachricht noch einmal ab der 20. Kalenderwoche zusenden.

2. Besser als „aber“ ist „und“

Als Full-Service-Agentur bieten wir höchste Inhouse-Kompetenz, arbeiten aber auch mit langjährigen Partnern zusammen.

Auch hier soll ja kein Gegensatz ausgedrückt werden, sondern eher, dass die Agentur noch zusätzlich etwas zu bieten hat. In solch einem Fall steht das schöne, schlichte „und“ bereit: 

Als Full-Service-Agentur bieten wir höchste Inhouse-Kompetenz und arbeiten auch mit langjährigen Partnern zusammen.

3. Statt „aber“ ein „sowohl ... als auch“

Diese Tipps richten sich vor allem an Vertriebsmitarbeiter, sind aber auch für Einzelunternehmer grundlegend.

Wenn die Tipps für beide gelten, dann ist das Gegensatz-„aber“ hier fehl am Platz. Es ist mal wieder der schrille Missklang im Wort-Konzert. So klingt es wohltuend in den Ohren des Lesers: 

Diese Tipps sind sowohl für Vertriebsmitarbeiter als auch für Einzelunternehmer grundlegend.

Beide Aussagen stehen nun gleichwertig nebeneinander. Übrigens: Zu der zweiteiligen Konjunktion „sowohl ... als auch“ gibt es einen eigenen Beitrag.

Das Wörtchen „aber“ ist der Giftpfeil der Kommunikation!

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4. Mit „aber“ eine negative Aussage abschwächen

Ja, das Wörtchen kann auch positiv. 🙂 Nämlich dann, wenn die Aussage des ersten Hauptsatzes negativ ist. In dem Fall können Sie die Aussage mit einem „aber“ oder „zwar … aber“ abschwächen. Zwei Beispiele:

Die Präsentation ist zwar ziemlich lang, aber Sie können Sie ja noch kürzen.

Nach der ersten Kundenflut ebbten die Verkäufe ab, aber sie blieben noch über den Verkaufszahlen des Vorjahres.

Fazit:

Entschärfen Sie den Giftpfeil „aber“! Mit der Suche-Funktion Ihres Textprogramms können Sie bei längeren Texten leicht auf „aber“-Pirsch gehen und so Ihr Gespräch mit dem Leser entgiften. Auf diese Weise schaffen Sie eine 100%ig verbindende statt eine trennende Kommunikation!

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Über die Autorin Dr. Gabriele Frings

Als Schreibcoachin, Trainerin, Textberaterin, Dozentin helfe ich Ihnen, einen professionellen Schreibstil zu entwickeln und in Beruf und Business erfolgreich zu sein.

  • Nawrath sagt:

    Danke für den interessanten Beitrag. Ich kann Ihnen rundum zustimmen. Doch merke ich immer wieder, obwohl ich es besser weiß, schleicht sich dieses kleine „aber“ oft mit in den Satz. Ähnlich wie das Wort „eigentlich“.

    Herzliche Grüße
    Carmen Nawrath

    • Dr. Gabriele Frings sagt:

      Hallo Frau Nawrath,
      gern geschehen. Ja, das „aber“ springt so schnell aus der Tastatur wie der Sektkorken aus der Flasche – und schon ist es drin im Satz. Dann prostet das „aber“-Teufelchen grinsend dem „doch“-Teufelchen zu. 😉 Und in der gesprochenen Sprache erreicht das „aber“ nach eigener Erfahrung sogar Lichtgeschwindigkeit.
      Herzliche Grüße und viel Erfolg beim Vertreiben der Teufelchen!
      Dr. Gabriele Frings

  • Silvia Bauer sagt:

    Liebe Frau Frings,
    wieder ein sehr schöner Artikel, der mir aus der Seele spricht. Vielen Dank dafür! Oft hört man im Gespräch auch ein „Ja, aber…“, dann denke ich mir manchmal: Ja, was jetzt, ein Ja oder ein Nein?

    • Dr. Gabriele Frings sagt:

      Liebe Frau Bauer,
      vielen Dank für Ihr Lob! Da haben Sie recht, das „Ja, aber …“ ist vor allem im Gespräch beliebt, auch in Kombination mit „nur, wenn …“. Auch hier klingt es oft hart, baut einen Gegensatz auf und ist m. E. dadurch nicht besser als ein klares, schlichtes Nein.
      Viele Grüße
      Dr. Gabriele Frings

  • Raimond Gatter sagt:

    Vielen Dank für Ihren Blog, der mich schon viel zum Nachdenken gebracht hat und sich positiv auf meinen Schreibstil ausgewirkt hat. Ohne wenn und aber 😉 sehr gelungene Beiträge. Auch in dem von mir besuchten Kurs habe ich viel gelernt und werde sicher noch einen weiteren buchen.

    • Dr. Gabriele Frings sagt:

      Hallo Herr Gatter,
      das freut mich ja, wie schön! Ich habe gerade nachgeschaut, welcher Kurs das war. Ja, der Kurs „Bildhafte Sprache“ ist auch nach wie vor beliebt. Zur Zeit bereite ich einen ganz neuen Kurs zum Thema „Marketing-E-Mails schreiben“ vor; auch da wird es u. a. um bildhaftes Schreiben und Storytelling gehen.
      Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Spannung und Freude beim Schreiben!
      Viele Grüße aus Bonn
      Dr. Gabriele Frings

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