Das Geheimnis des ansprechenden Schreibstils (2)

mohnfeld zu umgangssprache

Widerstehen Sie den Verlockungen der Umgangssprache!

In Teil 1 habe ich Ihnen gezeigt, wie Sie Merkmale der mündlichen Sprache benutzen, damit der Leser sich auch angesprochen fühlt.

Aber Vorsicht! Nicht alles, was uns über die Lippen geht, sollte auch in die Tastatur fließen. Der Leser mag keine akustische Dauerberieselung. Die Fuge von Bach ist ja nach dem zehnten Hören in der Telefonwarteschleife auch nicht mehr schön. 😉

Darum zeige ich Ihnen hier, welche Töne der Umgangssprache sich nicht in Ihren Text schleichen sollten – damit er nicht unseriös wirkt.

1. Wortblasen und Füllwörter? Nein danke!

Wortblasen

Das Fiese an diesen Blasen ist, dass sie sich ganz unbemerkt aus der spontanen Rede in den Satz schleichen und ihn aufblähen. Höchst beliebt und höchst inhaltsleer ist das Wort Bereich. Der Abteilungsleiter verkündet:

Im Bereich der Technik ist noch einiges zu verbessern.

Laberheinz! denkt der Profi-Texter und schreibt:

In der Technik ist noch einiges zu verbessern.

Eine Kollegin erzählt mir:

Tagtäglich höre ich solche Sätze. In den allermeisten Fällen bemerke ich die Blähwörter gar nicht mehr.

Der Leser braucht aber nur einen Tag und spart damit Zeit beim Lesen. Ja doch, auch die Silben summieren sich! Hier sind es schon vier, die ich einspare, wenn ich schreibe:

Täglich höre ich solche Sätze. In den meisten Fällen bemerke ich die Blähwörter nicht mehr.

Bleiben Sie beim Lesen kritisch. Denn durch die Medien werden Formulierungen zur Gewohnheit, die nicht nachahmenswert sind.  Zum medialen Sprachmüll gäbe es soviel zu sagen, darüber werde ich wohl mal einen Spezial-Artikel schreiben.

Füllwörter

Dazu einige Schnipsel aus Kollegengesprächen:

Das eigentliche Hauptthema ist vertagt worden.“

Wir haben einfach ein gutes Ergebnis erzielt.“

Die Diskussion war nicht wirklich zielführend.“

Haben Sie die Füllwörter erkannt? Richtig, es sind: einfach, wirklich, eigentlich. Für das schriftliche Protokoll sollten sie ausnahmslos gestrichen werden. Sie sind ​Elemente der Umgangssprache.

Meine Kursteilnehmer bekommen an dieser Stelle immer eine kleine Streicheleinheit, ich versichere ihnen dann, dass ich diese liebgewonnenen Partikel nicht generell verteufle. Es kommt eben auch auf die Textsorte an. In einem Geschäftsbericht gilt ein sachlicherer Schreibstil als in einem Blogbeitrag, wo auch mal ein Plauderton angeschlagen werden darf. 

Dennoch: In der Regel sind diese Partikel funktionslos und deshalb überflüssig.

Für Ihren Text-Check hier eine kleine Liste:

  • eigentlich
  • wirklich
  • einfach
  • gar
  • überhaupt
  • vielleicht
  • gewissermaßen
  • ziemlich
  • relativ
  • sozusagen

2. Lassen Sie Sprachklischees abblitzen!

Ist es reiner Zufall, wenn der Leser gähnt? Oder war der Text eine große, wenn nicht gar eine echte Enttäuschung für ihn? Und dabei dachte der Texter, der Leser habe volles Verständnis für seine informativen Tipps und die anderen eingerosteten Wortpaare. Nein, hat er nicht, diese Wortkombinationen wirken wie Schlaftabletten, weil er sie täglich liest und hört. Das Gemeine: auch für uns Texter scheinen das Substantiv und sein Attribut (Beiwort) so fest verklumpt zu sein, dass wir sie automatisch aufs Papier bringen. Was also tun?

Prüfen Sie, ob das Attribut wirklich notwendig ist (zum klugen Umgang mit Attributen habe ich mich schon in einem anderen Beitrag geäußert). Ändert sich der Sinn des Satzes, wenn Sie es weglassen? Nein? Dann: streichen. Der Film war eine Enttäuschung – das reicht, mehr braucht der Leser nicht.

Auch in der Umgangssprache häufig zu hörende Redensarten sollten Sie nicht in der Schriftsprache verwenden. Eine Bekannte berichtete:

Der Chef hat uns gestern grünes Licht gegeben.

Vielleicht hat er ja tatsächlich mit einer blinkenden Kelle gewinkt und seine Mitarbeiter zum Lachen gebracht. 😉 Beim Leser bewirken Sie mit dieser Wendung nur ein Gähnen. Was ihn dagegen aufhorchen lässt, das sind mit Fantasie abgewandelte Redensarten. So entzückte mich neulich im ZEIT-Magazin in einem Artikel über die Geschichte von Kleider-Abzeichen die Überschrift: Verflixt und aufgenäht.

Hören Sie sich immer mal wieder Podcasts an, vor allem Interviews, und achten Sie bewusst auf Bläh- und Füllwörter sowie abgegriffene Wortkombinationen. Stoppen Sie an den Stellen, wo Ihnen „schlechte Bekannte“ über den Weg laufen. Notieren Sie sie. Und stellen Sie sich mit diesen Notizen peu à peu eine Checkliste für die Überarbeitung Ihrer Texte zusammen. Sie werden staunen, was Sie alles streichen können!

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Über den Autor Dr. Gabriele Frings

Als Schreibcoach, Dozentin und Autorin helfe ich Ihnen, einen professionellen Schreibstil zu entwickeln und so in Beruf und Business voranzukommen.

  • Hallo Gabriele, mit viel Vergnügen lese ich die Beiträge hier im Blog. Es sind richtige Muntermacher. Ich freue mich schon auf mehr davon.

    Herzliche Grüße
    Monika Birkner

    • Dr. Gabriele Frings sagt:

      Hallo Monika,
      vielen Dank! Ja, Eintauchen in die Geheimnisse der deutschen Sprache macht sehr viel Vergnügen!
      Und mehr gibt es schon heute. 🙂

      Viele Grüße, alles Gute
      Gabriele

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