Verständlich schreiben – mit einem einfachen Erfolgsrezept!

verständlich schreiben

​Verständlich schreiben – das steht auf der Will-ich-unbedingt-verbessern-Liste meiner Abonnenten ganz oben. Und das ist ​richtig so. Denn wir wollen ja, dass die Mitmenschen​ unsere ​mit Fleiß und Schweiß formulierten Gedanken verstehen. Verständlich schreiben ist also, ja, nicht nur eine, sondern DIE Grundlage für gutes, fruchtbares Kommunizieren. 

Aber mal zwischen den Zeilen gesprochen – wie oft ​schreiben wir schnell ​eine E-Mail oder einen Artikel und machen uns null Gedanken darüber, ob der Leser​ das Produkt unserer Gehirnwindungen ​auch wirklich versteht. Denn ​WIR wissen ja, worum es geht, konzentrieren uns ​nur auf den Inhalt und lassen das Thema verständlich schreiben in der linken Gehirnhälfte zurück. 

​​Daraus resultiert außer Bandwurmsätzen und Schachtelsätzen​ ein ​häufiges Übel​, das der Verständlichkeit erheblich im Wege steht: Bezugsfehler im Satz. ​Im heutigen Beitrag geht es um ​die​ unklare Beziehung zwischen Hauptsatz und Nebensatz. ​Folge: Der Leser stutzt und ist ratlos. ​Noch unangenehmere Folge: Er klickt weg. Oder kritische Rückfragen​ kommen. ​Das wollen Sie um Himmels willen nicht?! Dann schauen wir mal, wie wir dem vorbeugen können.

​Verständlich schreiben: Die Beziehungsfalle zwischen Hauptsatz und Nebensatz (Relativsatz)

Eine äußerst beliebte Beziehungsfalle​ produzieren wir mit Relativsätzen. Das sind ​Nebensätze, die sich auf ein Hauptwort (Substantiv) beziehen und zu diesem eine weitere ​Information ​liefern. Der Satz, den ich ​gerade schreibe, enthält einen Relativsatz. Hier gibt es keine Verständnisschwierigkeiten. Denn wir haben ​EIN Hauptwort und direkt im Anschluss daran einen Relativsatz, der das Hauptwort näher erklärt. Doch wie sieht es aus, wenn wir zwei Hauptwörter im Satz haben, die auch noch gleichen Geschlechts sind? ​

1. ​Vorsicht: Zwei Hauptwörter gleichen Geschlechts sind Fallensteller!

Schauen ​wir uns ​einen längeren Satz an:

               Bis zum Urteil werde die Speicherpflicht nicht durchgesetzt, erklärte die Niederlassung der
               Bundesnetzagentur in Mainz, die für die technische Umsetzung von Überwachungsmaßnahmen
               zuständig ist.

Kling, klang, unsere unbeliebte Rätselrunde für den Leser ist ​angesagt. Wer ist nun für die Umsetzung zuständig, die Mainzer Niederlassung oder die Bundesnetzagentur generell? Der lesende Laie bleibt ratlos zurück. Das Relativpronomen die kann ​sich nämlich sowohl auf die Niederlassung als auch auf die Bundesnetzagentur ​beziehen, da beide Hauptwörter weiblichen Geschlechts sind. Hier hilft nur ein neuer Satz. Und scheuen Sie sich nicht, um der Klarheit willen mit Wiederholungen zu arbeiten:

               …erklärte die Niederlassung der Bundesnetzagentur in Mainz. Diese Niederlassung ist für die
                technische Umsetzung von Überwachungsmaßnahmen zuständig. (ob das stimmt, weiß ich
                nicht, das hätte mir der Autor ​mitteilen müssen; oder wollte er gar nicht, das ich ihn verstehe?)

Noch ein Beispiel:

               Die Patienten profitieren von der Nähe des Orthopädiezentrums zum Röntgeninstitut, dessen
​               Direktor seit 2005 Professor Schmidt ist.

Auch hier ist der Bezug unklar. Dessen kann sich auf das  Zentrum ​oder das Institut beziehen. Mit dem einf​achen ​Kniff eines neuen Satzes machen Sie es dem Leser leichter. Der zweite Hauptsatz kann​ dann, wenn er kurz ist, statt mit einem Punkt auch mit einem Komma oder Semikolon abgetrennt werden:

               Die Patienten profitieren von der Nähe des Orthopädiezentrums zum Röntgeninstitut; ​
               Direktor des Orthopädiezentrums ist​ seit 2005  Professor Schmidt.

Manchmal produziert der Schreiber​ mit der Unklarheit auch unfreiwillig ein wenig Komik:

​               Was Kienle am Golfsport besonders schätzt, ist der hohe Grad an Freiheit, den er ihm bietet.

​„Den er ihm“? Wer jetzt? Und wem? Sicherlich, prinzipiell ist schon klar, dass nicht Kienle dem Golfsport einen hohen Grad an Freiheit bietet, sondern umgekehrt. Aber ​auf jeden Fall ​stolpert der Leser, er muss zweimal lesen ​– und das ist immer einmal zuviel! Die Stolperfalle entsteht, ​weil wieder beide Hauptwörter gleichen Geschlechts sind (er, er). Wir formen deshalb um: 

              Kienle schätzt am Golfsport, dass ​dieser ihm einen hohen Grad an Freiheit bietet

2. S​chieben Sie möglichst keine weiteren Wörter zwischen ​Hauptwort und Relativsatz

​Wenn Sie zwischen das Hauptwort und den Relativsatz ​zu viele weitere ​Informationen ​einschieben, kommt solch ein Satz heraus:

               Das Gebäude ist ein Konglomerat an Silos aus Zement, einstigen Maschinenräumen und
               unterirdischen Gängen, das über viele Jahre hinweg gewachsen ist.

Hier verliert der Leser zuverlässig den Bezugsfaden. 12 Wörter sind zwischen das Hauptwort und seinen ​Nebensatz ​gestopft! Wie ​generell bei Bandwurmsätzen gilt hier wieder unser ​magisches Rezept: einen zweiten Satzbauen. Das ist hier besonders sinnvoll, weil der Relativsatz eine weitere Hauptsache enthält. Und als Leser meines Blogs wissen Sie ja schon – genau: „Hauptsachen in Hauptsätze“ und nicht in Nebensätze. 🙂 So entspannt sieht ​das Ganze dann ​in zwei Sätzen aus: 

               Das Gebäude ist über viele Jahre hinweg gewachsen; mittlerweile ist es ein Konglomerat an
               Silos aus Zement, einstigen Maschinenräumen und unterirdischen Gängen. 

​Voilà. ​Der Leser gleitet durch den leicht veständlichen ​Text und ist zufrieden. 

Fazit:

Verständlich schreiben ist ​einfach – wenn Sie diese Punkte beherzigen:

  • 1
    ​Wenn Sie einen Relativsatz benutzen, achten Sie darauf, dass der Bezug für den Leser hundertprozentig klar ist.
  • 2
    ​Achtung: Unklarheit entsteht ​vor allem dann, wenn Sie im Hauptsatz zwei Substantive gleichen Geschlechts haben (der/der, die/die, das/das).
  • 3
    ​Ist der Bezug nicht eindeutig: Bauen Sie einen zweiten Satz! Dieses Rezept​ bewährt sich fast immer und erhöht enorm die Verständlichkeit für den Leser. 🙂

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Über den Autor Dr. Gabriele Frings

Als Schreibstilcoach, Dozentin und Autorin helfe ich Ihnen, einen professionellen Schreibstil zu entwickeln und im Beruf voranzukommen.

  • Wilfried Kerstan sagt:

    Hallo Frau Frings,
    vielen Dank für Ihren Kommentar. Es stimmt mich froh, dass ich mit meinem Verständnis der deutschen Sprache doch einigermaßen richtig liege.
    Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit und freue mich schon auf Ihren nächsten Artikel.
    Wilfried Kerstan

  • Wieder mal großartig dargestellt. Of ist es jedoch schwierig solche Probleme in den eigenen Texten zu entdecken, da man selbst ja die Intention des Satzes kennt. Bei wichtigen Texten helfe ich mir indem ich möglichst viel Zeit vor dem Korrekturlesen vergehen lasse, möglichst noch andere Texte in der Zwischenzeit verfasse (etwa andere Emails beantworte) und vor allem beim Korrekturlesen jedes auch nur vage Gefühl von „Häh? Was habe ich da gemeint?“ ernst nehme. Mitunter liest man einen Satz dann erst einmal mit der „falschen Betonung“ wodurch der Sinn merkwürdig wird. Solche Sätze sind grundsätzlich verdächtig und zu überdenken.

    • Dr. Gabriele Frings sagt:

      Hallo Herr Rafelsberger,
      ich kann Ihnen da nur zustimmen. Einen längeren Text erst einmal ruhen zu lassen, um Abstand zu gewinnen, bevor man korrigiert, ist die absolut richtige Strategie. Sie verhindert, dass man im Ich-bin-leider-betriebsblind-Modus die meisten Unverständlichkeiten übersieht. Und ganz wichtig: Laut lesen, so, als habe man ein Gegenüber, das mit der Materie nicht vertraut ist.
      Viele Grüße
      Dr. Gabriele Frings

  • Wilfried Kerstan sagt:

    Hallo Frau Frings,
    ich finde Ihre Beiträge sehr interessant. Die schnelle Konversation via Mail verführt schon zu einem nachlässigen Umgang mit der Sprache.
    Bei mir taucht immer wieder mal die Frage auf, was ist eigentlich der Unterschied zwischen einer Frage und einer Rückfrage? Ist die Rückfrage nicht irgendwie doppelt gemoppetl? Ebenso verhält es sich mit der Rückantwort. Man kann doch nur fragen und erhält eine Antwort. Oder sehe ich das falsch?
    Schöne Grüße aus der Sängerstadt Finsterwalde
    Wilfried Kerstan

    • Dr. Gabriele Frings sagt:

      Hallo Herr Kerstan,
      Sie sehen das richtig. „Rückfrage/Rückantwort“ sind Pleonasmen, zu deutsch: doppelt-gemoppelt. Wobei es das Verb „zurückfragen“ gibt, das hinsichtlich eines Dialogs meistens meint: auf eine Frage eine Gegenfrage stellen. Insofern ist die „Rückfrage“, wenn sie denn wirklich als Frage auf eine Frage gemeint ist (meistens ist sie das wohl nicht), eher akzeptabel als die „Rückantwort“, denn „Antwort“ ist bereits das „Anti-Wort“, also das Gegen-Wort.
      Viele Grüße
      Dr. Gabriele Frings

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